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Veranstalter stiehlt sich still und klammheimlich davon

VonMarlies Steffen

Diesen „Spezialitäten“-
Vormittag werden wohl einige Neustrelitzer nicht vergessen. Sie wurden sitzen gelassen.

Neustrelitz.Die Tricks der Kaffeefahrtenbranche werden immer dreister: Wenn nicht genug Leute kommen, fällt die Party aus, und die Veranstalter machen sich klammheimlich vom Acker.
Genau diese Erfahrung haben gestern mehrere Strelitzer gemacht, die sich von einer Einladung „Spezialitäten unserer Nordseeküste“ angesprochen fühlten. Der Geprellte war aber auch der Gastgeber der Veranstaltung selbst, wie der Nordkurier erfuhr. „Zu der Veranstaltung in der Neustrelitzer Orangerie waren um die zehn Leute erschienen. Die Ausrichter aber zeigten sich nicht direkt vor Ort“, berichtete Nordkurier-Leser Hartmut Röseler. Beobachtet wurde aber, dass mehrere Herren nahe der Schlosskirche die Besuchersituation aus der Ferne sondierten. Als sie offenbar feststellten, dass nicht genügend Leute erscheinen, fuhren sie davon. Die gleiche Vorgehensweise hat Röseler schon in Waren erlebt, wo eine Bekannte eine ähnliche Einladung erhielt. „Ich wollte sehen, ob die das in Neustrelitz auch so machen“, sagte er empört über das zuvor Erlebte.

Ein Pkw mit Bremer
Kennzeichen aufgefallen
Den Besuchern der Spezialitäten-Veranstaltung wurde in der Einladung – sie trägt keinen Firmenvermerk – ein Fest mit Essen, Sektempfang und einem Korb mit Waffeln, Krabben, Räucherfisch und einem Geschenk im Wert 499,99 Euro versprochen.
In dem Vertrag, den eine „Internationale Veranstaltungsgesellschaft LTD“ mit Sitz in Bremen mit dem Orangerie-Restaurant abgeschlossen hatte, war aber nur ein Gedeck im Wert von zehn Euro angefordert, bestätigte Dieter Wollenberg, Senior-Chef der Orangerie dem Nordkurier. Genau diese Gedecke – bestellt war nicht einmal Fisch – hätte das Ora-Team auch vorbereitet und sei nun wegen der nicht zustande gekommenen Veranstaltung darauf sitzen geblieben. „Wir werden unseren Aufwand in Rechnung stellen, gehen aber davon aus, dass nicht gezahlt wird“, sagt Wollenberg. Für ihn ist es das erste Vorkommnis dieser Art. Das Ora-Team bewirte sehr viele Busreisegesellschaften. Mit 99 Prozent ginge alles gut, hieß es gestern. Ganz unerkannt sind die Veranstalter am Ende aber wohl doch nicht geblieben. Ein Pkw-Kennzeichen mit Bremer Nummer konnte notiert werden.
Verbraucherschützer warnen immer wieder vor Veranstaltungen mit Geschenkversprechungen und weisen darauf hin, dass es dabei auch häufig unseriös zugeht.

Kontakt zur Autorin
m.steffen@nordkurier.de

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