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Vom amtlichen Öffnen einer Flasche Rotwein

Edeltraud Krampitz und Renate Grau-Sobiech lieben „ihre“ Schmiede. Mit einer Handvoll Unverzagter haben sie in Wanzka eine kleine und feine Kultur-Insel auf dem Lande geschaffen.     FOTO: Ralph Schipke
Edeltraud Krampitz und Renate Grau-Sobiech lieben „ihre“ Schmiede. Mit einer Handvoll Unverzagter haben sie in Wanzka eine kleine und feine Kultur-Insel auf dem Lande geschaffen. FOTO: Ralph Schipke

VonRalph Schipke

Auf dem Dorf ist nur was los, wenn man selbst was los macht – das hat die Wanzkaer „Kulturschmiede“ erkannt und ein Kleinod geschaffen.

Blankensee.„Hier im Dorf ist nur der Himmel weit“, sagt Renate Grau-Sobiech fast poetisch und meint einen ganz handfest-alltäglichen Zustand damit. Die Leute in Wanzka sind nah beieinander. Jeder der knapp 300 Dorfbewohner ist ein Nachbar. Ein jeder weiß voneinander so vieles – ob gegenüber das Glück eingekehrt ist oder kleines oder großes Pech gerade mit am Küchentisch sitzt. Man nimmt die Post mit, schaut nach den Kindern. Bei so viel Nähe unterm Himmelsweit ist der Wunsch nach einem Treffpunkt, einem Ort öffentlichen Zusammenseins naheliegend.
Da war einmal eine olle Schmiede. Nach einem frühen Versuch, die Dorfschenke mit Kultur geistig-kulturell aufzuwerten, wollte eine Handvoll Enthusiasten schnell „was Eigenes“. Der Trödelhändler hatte die alte Schmiede in der Dorfmitte mit Plunder und Krempel „von vorn bis hinten und bis unters Dach vollgestellt“, erinnert sich die Vereinsvorsitzende des Kulturkreises Wanzka e.V. Renate Grau-Sobiech an den ersten verschreckten Blick hinter das Schmiedetor. Besitzer Paul Kupetz war aber bereit, dem damals noch gar nicht recht gegründeten Verein, die ehemalige Dorfschmiede zu verkaufen. Ohne Strom, Wasser, Abwasser. Dafür mit Löchern im Betonfußboden und rostigen Maschinen aus LPG-Zeiten. „Und dem herrlichen Schmiedefeuer“, ist Edeltraud Krampitz stolz auf den rustikalen Kamin und Mittelpunkt des Raumes. Sie ist die zweite Frau im Vorstand des Dorf-Vereins. Die Männer habe man dann gleich mal in den Baumarkt los geschickt, als die Schmiede 2006 Vereinseigentum wurde. Dach undicht, Fenster löchrig. Da musste rasch gehandelt werden. Erste Schritte auf einem langen Weg. Doch mit so viel Aufregung, Abenteuer und vor allem Arbeit hatte niemand gerechnet.
Renate Grau-Sobiech, im Hauptberuf Anwältin, kümmerte sich – logisch – um alles Vertragliche und Geschäftliche. Belegte dann sogar einen „Kneiper-Kurs“ bei der IHK. Ohne behördliche Genehmigung keine Gemütlichkeit im Dorfklub. Also hat die Juristin statt Gesetzesnovellen Hygienevorschriften gebüffelt. Es wurden ihre Fähigkeiten zum Bierzapfen amtlich auf die Probe gestellt.
„Eigentlich wollten wir ja nur ein gutes Glas Rotwein zum guten Buche reichen“, schmunzelt sie über ihr zweites „berufliches Standbein“, dem in der Not geborenen Posten hinter dem Tresen. Eine Schankerlaubnis kann im Amts-Deutschland nur eine natürliche Person aber kein Verein bekommen.
Wollte sie also Gastgeberin sein, musste der „Kneiper- Schein“ her
Über Motive und Mut der fünf Wanzkaer „Kulturschmiede“ – Martina Bednorz, Edeltraud Krapitz, Renate Grau-Sobiech, Jörg Gaede un Walter Reichert – bekommt man gerade einen knappen Satz zu hören: „Aus einer Laune heraus!“ Aus einer lustigen Laune also, wurde die Geduld der Familien und Ehepartner strapaziert, die alles mitgetragen haben. Die im Zweifel die privaten Kaffeetassen rüber holten oder Stühle mit der Familienkutsche ran karrten, wenn die 35 Plätze mal wieder nicht ausreichten – alles liegt so nah in Wanzka. Zusammen wollen sie einfach Leben ins Dorf bringen.
Inzwischen stehen drei Dorffeste in der Vereinschronik und Weihnachtsfeiern. Ein Programm der Schauspielerin und Brecht-Interpretin Gina Pietsch sei ein kultureller Höhepunkt gewesen, erinnern sich die Frauen mit diesem gewissen Glanz in den Augen. Statt Honorar bekämen Künstler oft Bett und Frühstück zum Lohn. Und sie könnten allzeit gern wiederkehren. Eine Flasche Rotwein wird sich finden. Einer der sie amtlich öffnen darf auch. Und was zum Vorlesen. Mehr braucht es ja nicht. Man hat doch die Schmiede.

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