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Was ist Hilflosem geschehen?

Dieter Götz [KT_CREDIT] FOTO: privat
Dieter Götz [KT_CREDIT] FOTO: privat

VonSusanne Böhm

Vor 16 Tagen wurde
Dieter Götz zum letzten Mal gesehen. Seitdem fehlt von dem 83-Jährigen jede Spur. Die Polizei rechnet
mit dem Schlimmsten.

Feldberg.Von dem Mann, der aus einem Pflegeheim in Feldberg verschwunden ist, fehlt seit 16 Tagen jede Spur. Die Wahrscheinlichkeit, den 83-jährigen Dieter Götz lebend zu finden, schwindet mit jedem Tag.
„Man muss vom Schlimmsten ausgehen“, sagt Verena Splettstößer, Sprecherin der Polizeiinspektion Neubrandenburg. Mehrere Tage lang hatte die Polizei intensiv gesucht. Sie durchkämmte Wohngebiete, Wälder und Felder, stöberte an Seen und Bächen, befragte Familie und Bekannte des Mannes, setzte Suchhunde Hubschrauber und Wärmebildkameras ein – ohne Erfolg. Über den Nordkurier, Funk und Fernsehen war die Bevölkerung um Hinweise gebeten worden. Es meldeten sich mehrere Menschen, die Dieter Götz gesehen zu haben glaubten. Aber jeder Wink lief ins Leere.Dieter Götz ist weg.
Inzwischen hat die Polizei die Suche eingestellt, wird ihre Bemühungen aber wieder aufnehmen, „sobald sich neue Ansatzpunkte ergeben“, so Verena Splettstößer. Bis dahin haben Polizisten Fotos des Vermissten in ihren Autos und achten bei ihrer täglichen Arbeit auf Personen, die ihm ähneln.

Ermittler schließen
Straftat aus
Der Rentner ging trotz Gehbehinderung und Orientierungslosigkeit selbstständig aus dem Pflegeheim. Ein Verbrechen ist auszuschließen, sagt die Polizeisprecherin. Auch dem Personal sei kein Fehler vorzuwerfen. Niemand könne rund um die Uhr überwacht werden. Die Letzte, die Dieter Götz mit Sicherheit gesehen hat, ist eine Hauswirtschafterin. „Sie hat durch ein Küchenfenster gesehen, wie ein Bewohner durch den Garten ging“, erklärt Christoph de Boor, Geschäftsführer der Diakonie Stargard, die das Heim betreibt. Das war am 15. Mai um 6 Uhr. Weil es ungewöhnlich ist, dass Bewohner im Morgengrauen spazieren gehen, rief die Küche im Pflegebereich an. Sofort begab sich eine Pflegerin auf die Suche, aber da war der Mann schon wie vom Erdboden verschluckt. Schließlich wurde die Polizei alarmiert. „Wir sind betroffen und haben Mitgefühl für den Vermissten und die Angehörigen“, sagt Christoph de Boor. Niemand aber konnte das Unglück verhindern. Man kann die Heimbewohner nicht einsperren.
„Immer wieder verschwinden Senioren“, sagt Verena Splettstößer. Die meisten werden schnell gefunden, andere nie. Seit mehr als elf Monaten zum Beispiel hat niemand etwas von dem als dement geltenden Bodo Hahn gehört oder gesehen. Der
76-Jährige verschwand aus seiner Wohnung in Waren.
Für die Angehörigen ist die Ungewissheit quälend, weil das Fünkchen Hoffnung nie ganz erlischt. Die Personen gelten so lange als vermisst, bis sie gefunden werden – tot der lebendig.
Im Fall von Dieter Götz bittet die Polizei weiter um Hinweise. Er ist 1,65 Meter groß, hat eine Glatze, trägt eine Brille und einen blauen Jogginganzug. Kontakttelefon: 039555822224.

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