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Wenn der Berg zum Schwof ruft

Vor der großen Bühne blieb kein Platz frei.[KT_CREDIT] FOTOs: andré gross
Vor der großen Bühne blieb kein Platz frei.[KT_CREDIT] FOTOs: andré gross

VonAndré Gross

Woldegk hat sein 20. Müh- lenfest gefeiert, und tausende Besucher aus Stadt und Umland haben das Programm zu schätzen gewusst.

Woldegk.Die alte Müllerweisheit „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ haben sich Roland Stapel und Axel Fischer auch in diesem Jahr zu Herzen genommen. Der Mühlenwart und der Vorsitzende des Mühlen- und Heimatvereins waren am Pfingstsonntag schon um 5 Uhr morgens auf dem Woldegker Mühlenberg anzutreffen. Schließlich ging es um nicht weniger als das 20. Mühlenfest, das über die Bühne zu bringen war.
Drei Mal 25 Brote waren aus dem Ofen zu ziehen, „ein erheblicher Aufwand immer wieder, aber die Leute freuen sich“, wusste der Mühlenwart, ebenso wie sein Mitstreiter standesgemäß in Weiß gekleidet. Fischer konnte auch den Kuchen preisen, den die Vereinsmitglieder backen. „Mit drei Blechen haben wir vor zwanzig Jahren angefangen, nun sind wir bei 40, und die sind zur Kaffeezeit meist schon leer.“ Es habe sich wohl herumgesprochen, „dass bei uns noch gute Butter genommen wird“.
Die mit fünf der Kraftmaschinen an Windmühlen reichste Stadt in Deutschland ist alljährlich beim Deutschen Mühlentag dabei und hat mit ihrem Mühlenverein eine Truppe beisammen, die im Zusammenwirken mit der Stadt und dem örtlichen Veranstalter Eventcatering Teufel erstmalig am Sonntag und Montag ein Programm auf die Beine gestellt hat. Die vielen Angebote haben nicht nur die Einheimischen, sondern auch jede Menge Leute aus der näheren und ferneren Umgebung angezogen. Bis zum Sonntagnachmittag wurden rund 2500 Gäste gezählt, und abends rief der Berg erneut. Stargast war Schlagerbarde Christian Anders, der sich noch immer seiner Fans sicher sein kann, wie sich in Woldegk bei Riesenstimmung zeigte. Bis in die Morgenstunden wurde bei Disco-Klängen weiter geschwoft. Am Montagmittag musste Mühlenwart Stapel dann mal „kurz abtauchen“, das Interesse an den Mühlen war ungebrochen.
Der Woldegker Mühlen- und Heimatverein zählt rund 100 Mitglieder, von denen ein erheblicher Teil im fortgeschrittenen Rentenalter ist. „Es muss solche Verrückten wie uns geben“, meinte Axel Fischer, mit 66 Jahren noch einer der jüngeren Garde. Der Verein versuche deutschlandweit Verbindungen aufzubauen. Unlängst waren sechs Mitglieder im pfälzischen Großkarlbach, in dem noch sechs der ehemals sieben Wassermühlen existieren. Im nächsten Frühjahr gibt es einen Gegenbesuch.
Nur mit dem Plattdeutsch sei es eine traurige Sache, dessen Pflege sich der Verein auf die Fahne geschrieben hat. Axel Fischer meint, das könne man wohl bald vergessen, wenn es nicht Pflichtfach in Woldegks Schule werde.

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