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Wer hat unserer braven Uschi ihr süßes Kälbchen geklaut?

VonRainer Marten

Langsam versteht jeder, warum ein Bauer im Herbst bei Blankensee einen Übergang an der Grenze mit Feldsteinen verrammelte: Immer wieder wurde dort Diebesgut in Richtung Osten gebracht. Diesen Weg nahm
offenbar erneut ein Kälbchen, das der Familie Berger gestohlen wurde.

Uecker-Randow.Was Sieglinde und Hans-Dieter Berger befürchteten, ist jetzt wieder passiert: Der Familie wurde von der Wiese ein Kälbchen gestohlen – das zweite innerhalb von vier Wochen.
Das Bullenkalb war eine Woche alt und trug bereits eine Ohrmarke. Der im April entwendete Bulle war erst zwei Tage alt und noch nicht gemarkt (der Nordkurier berichtete). Im April war, so die klare Spurenlage, das Kalb am verrammelten Grenzübertritt links vorbei über einen schmalen Trampelpfad gen Osten gebracht worden. Frisch niedergedrücktes Gras lässt dieses Mal nur die Vermutung zu, dass auch der zweite Jungbulle diesen Weg nahm.
„Wir sind traurig und wütend zugleich, denn irgendwann muss das Stehlen in der Grenzregion ein Ende haben!“, sagt Sieglinde Berger. Die jüngsten Spuren verrieten einiges über die Vorgehensweise der Täter. Auf dem Weg zur Weide entdeckten Bergers herausgerissene Zaunpfähle und Weidezaundraht der Koppel eines ortsansässigen Betriebes. Der Draht lag teilweise im Weg, teilweise wurde er aufgewickelt. Schon bereitgelegte Säcke, wahrscheinlich für den Transport des Drahtes, blieben am Ende liegen. Waren die Täter gestört worden?
Bergers halten in Blankensee fünf Mutterkühe. Die Tiere sind das Hobby von Hans-Dieter Berger. Anfang April wurden die Kühe zur Weide, dem sogenannten Blankenseer Moor, gebracht. Bis zur Grenze sind es 1000 Meter. Da sich Hans-Dieter Berger sehr intensiv um die Tiere kümmert, sind diese wiederum sehr zutraulich. Gestern allerdings setzte sich Mutterkuh Uschi mit dem noch verbliebenen Kalb ab, als die Besucher auftauchten. Vermutlich durch die nächtliche Jagd noch immer verunsichert.
Bergers sind zum achten Mal von einem Diebstahl betroffen. Der Familie wurden unter anderem zwei Weidezaungeräte, eine Wiesen-
walze, das Aluminiumdach eines Containers und schließlich die zwei Bullenkälber gestohlen. Auch den jüngsten Diebstahl zeigten sie an. „Aus unserer Sicht“, so mutmaßt das Ehepaar, „mangelt es an einer zeitnahen Kooperation der Polizei im Grenzraum.“ Diebe agierten hier noch immer zu ungestört.
Ortrun Schwarz, Sprecherin er Polizeiinspektion Anklam, sicherte zu, dass die Polizei in allen Richtungen ermitteln wird. „Zwischen den Dienststellen beiderseits der Grenze gibt es leider keine kurzen Dienstwege. Die Ermittlungen laufen immer über das gemeinsame Zentrum in Swiecko bei Frankfurt/Oder“, sagt sie. Von dort aus würden sich sowohl deutsche als auch polnische Kräfte dem Thema der Grenzkriminalität widmen.

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r.marten@nordkurier.de

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