Nicht weniger, als Neustrelitz zur Bluesstadt zu machen, haben sich Rainer Grassmuck und Robert Hensel vorgenommen. Und sie fangen nicht gerade klein an: Auf Workshop und Konzert mit der Timo Gross Band folgt ein Open- Air-Festival auf der Domjüch.
Neustrelitz.Wenn jemand „den Blues hat“, ist meist von einer traurige Stimmung die Rede. Wenn aber Neustrelitz den Blues bekommt, ist damit eine gute Nachricht gemeint, nämlich ein musikalisches Angebot, dass in der Region bislang keine große Rolle spielt: Neustrelitz zur Bluesstadt zu machen, hat sich der jüngst aus Wuppertal hierher gezogene Künstler und Architekt Rainer Grassmuck vorgenommen und in Robert Hensel, dem Inhaber des shop2rock, einen Verbündeten gefunden: Am 28. April wird in dem Musik-Fachgeschäft in der Zierker Straße nachmittags ein Workshop und abends ein Konzert mit der Timo Gross Band stattfinden; gemeinsam bereiten die Initiatoren auch für Mitte Juni einen Band-Wettbewerb mit abendlichem Open-Air-Konzert auf der Domjüch vor. Erfahrungen und Kontakte für ein solches Unterfangen bringt Rainer Grassmuck aus Wuppertal mit, wo er nicht nur das Projekt „Kunstfluss“, sondern 2006 ein seither jährlich stattfindendes Blues unplugged Festival auf den Weg brachte. „Viele Musiker brennen darauf, hier zu spielen“, weiß er. So zum Beispiel Tommy Schneller aus Osnabrück, den er – beeindruckt vom Silvesterkonzert mit der Funkband Mo’Blow – mit dem aus der Region stammenden Saxophon-Frontmann Felix Falk zusammenbrachte. Beide werden im Juni auf der Domjüch dabei sein. Einen tanzbaren, mitreißenden Abend versprechen die Organisatoren und planen am Vortag einen Bandwettbewerb, dessen Gewinner dann im Vorprogramm der „Großen“ auf der Bühne stehen. Über die Platzierung entscheidet vor allem das Publikum, kündigt Hensel an, aber als Fachjury darf auch die furiose Rock’n’Roll-Spaß-Band „Satan & Deibel“ mitreden. Ein Musikerflohmarkt, einAuftritt des Percussion-Duos „Ritmo del mundo“ und ein Vorgeschmack aufs nächste Jahr, für das sich Grassmuck ein Unplugged-Festival auf einer Seebühne im Domjüchsee erträumt, stehen ebenfalls auf dem Programm des Wochenendes, das in ein vierwöchiges Kulturfest auf der Domjüch eingebettet ist. Für die geplante Ausstellung mit Werken mecklenburg- vorpommerscher Künstler wurden Fördermittel beim Land beantragt, über die jedoch noch nicht entschieden wurde. Für die musikalischen Projekte jedoch „sind wir voll beim Organisieren und Promoten“, berichtet Robert Hensel, der – natürlich! – ebenso wie Grassmuck ein bekennender Blues-Liebhaber ist. „Da kann man richtig abschalten“, sagt er, „man muss nicht einenbestimmten Song kennen, sondern einigt sich auf eine Grundstruktur und los geht’s.“ In Neustrelitz und Umgebung sei eine Blues-Szene bestimmt vorhanden, werde aber bislang nicht recht versorgt. Etablierte Festivals wie Immergut sprächen ein eher jüngeres Publikum an, während Blues als Domäne der Älteren gilt. „Aber das Publikum wird jünger“, prophezeit Grassmuck. Und Hensel ist begierig darauf, „wenn uns dieLeute nicht total im Stich lassen“, das Blues-Projekt in den nächsten Jahren fortzusetzen.