Februar 2, 2012
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Theater von Susanne Schulz

Zweckbündnis in der Aufwärmphase

Erstmals hat sich der künftige Schauspieldirektor Wolfgang Bordel in Neustrelitz öffentlich vorgestellt. Für die Vorpommersche Landesbühne plant er ein Tochter-Konstrukt ähnlich dem der Deutschen Tanzkompanie.

Wolfgang Bordel
Wolfgang Bordel
Foto: Martina Krüger
Neustrelitz (nk)  

„Heute gibt’s nur Kaltgetränke“, stellte der Mann hinterm Tresen im Neustrelitzer Theaterkeller am Dienstagabend klar. Ob er vermutete, dass es drinnen hitzig genug zugehen würde bei der Dienstagsrunde des Fördervereins mit dem designierten Schauspieldirektor Wolfgang Bordel? „Ich weiß um die Vorbehalte“, erklärte der Intendant der Vorpommerschen Landesbühne Anklam, der im April das Zweit-Amt antritt. „Nur mit Tingeltangel hätten wir nicht 70 000 Zuschauer pro Jahr“, konterte der 61-Jährige: „Diese Menschen kommen nicht zu uns, um schlechtes Theater zu sehen.“
 

200 000 Zuschauer pro Jahr sind das Ziel


Sich auf diese „nicht kleine Mitgift“ berufend, will Bordel sich an dem Ziel messen lassen, dass Theater und Orchester GmbH (TOG) sowie Vorpommersche Landesbühne es gemeinsam auf 200 000 Zuschauer pro Jahr bringen mögen. Um diese Zahl geltend zu machen für die Landesmittel, die langfristig auf 35,8 Millionen Euro „gedeckelt“ und zu einem gewissen Prozentsatz an die Besucherzahlen gebunden sind, soll eine gesellschaftsrechtliche Form ähnlich der Zusammenarbeit mit der Tanzkompanie gefunden werden, kündigt Bordel an: Mit deren Trägerstiftung hat die TOG eine gemeinsame Tochtergesellschaft gegründet. Auf diese Weise flossen dem Unternehmen im vorigen Jahr 400 000 Euro zu, „ohne die das Theater 2011 nicht überlebt hätte“, mahnt Geschäftsführer Wilhelm Denne. Man dürfe daher nicht die Augen verschließen vor ungewöhnlichen Wegen – wie eben der personellen Überschneidung mit der Vorpommerschen Landesbühne.

Shakespeare-Inszenierungen und engagiertes politisches Theater


Beide Standorte sollten von der Zusammenarbeit profitieren, so Bordel. Daher wolle er auch nicht neben dem vorpommerschen Intendantenamt „auf Teufel komm raus“ in Südmecklenburg inszenieren, sondern gute Regisseure verpflichten, die mit den hiesigen, erwiesenermaßen hervorragenden Ensemble arbeiten. Neustrelitz stehe für exzellente Shakespeare-Inszenierungen und engagiertes politisches Theater, beides solle nicht in Vergessenheit geraten.


Der bis 2013 geltende Haustarifvertrag sehe vor, dass freiwerdende Stellen nicht „weggekürzt“ werden, versicherte Bordel. Mit den Ensembles in Neustrelitz und Anklam sowie der Theaterakademie in Zinnowitz sei ein „Pool“ von bis zu 60 Schauspielern verfügbar, um die Spielorte beider Unternehmen zu versorgen und im Sommer noch ein Event im Hof des Neubrandenburger Schauspielhauses hinzu zu fügen. Für Neubrandenburg wünschte sich Aufsichtsratsmitglied Irina Parlow bei dieser Gelegenheit auch ein Theateranrecht „als Chance, dort ein Stammpublikum aufzubauen“.


Dass aus dem Zweckbündnis eine Freundschaft entstehen möge, wünscht sich Wolfgang Bordel, der die Frage des Neustrelitzer Bürgermeisters Andreas Grund nach einem möglichen Spielzeitmotto mit einem Zitat aus „Hamlet“ beantwortete: „Ist es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode.“ Nicht überhitzt jedenfalls, sondern sachlich und erfreulich gut besucht verlief die Wiederbelebung der Dienstagsrunde. Die nächste Ausgabe soll im März mit dem künftigen Operndirektor Wolfgang Lachnitt stattfinden.

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