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Ahnungslose Nachbarn: Was, Hanf-Plantage hier bei uns?

Im Keller dieses Gebäudes in der Löcknitzer Maxim-Gorki-Straße wurde die Rauschgift-Gärtnerei vermutlich betrieben. Anwohner haben davon aber nichts mitbekommen. Erst nach der spektakulären Polizeiaktion erfuhren sie von der Nutzung des Gebäudes, das zu DDR-Zeiten als Nachrichtenwerkstatt der Luftstreitkräfte diente.  Foto: Rainer Marten
Im Keller dieses Gebäudes in der Löcknitzer Maxim-Gorki-Straße wurde die Rauschgift-Gärtnerei vermutlich betrieben. Anwohner haben davon aber nichts mitbekommen. Erst nach der spektakulären Polizeiaktion erfuhren sie von der Nutzung des Gebäudes, das zu DDR-Zeiten als Nachrichtenwerkstatt der Luftstreitkräfte diente. Foto: Rainer Marten

Von unseren RedaktionsmitgliedernFred LuciusundGabriel Kords

Die Löcknitzer staunen noch immer. Und können kaum glauben, dass in einem Gebäude der ehemaligen Kaserne die größte Rauschgift-Gärtnerei des Nachbarlandes betrieben wird. Selbst die Anwohner haben davon nichts mitbekommen.

Uckermark/Löcknitz.Die Region Uckermark und Uecker-Randow scheint für Rauschgift-Gärtner besonders reizvoll zu wirken. Nachdem in den vergangenen Jahren bereits in der Brüssower Region und auf einem abgelegenen Gehöft in Göritz Hanfplantagen entdeckt wurden, trifft es nun das benachbarte Löcknitz, der Uckermark Kurier berichtete.
„Die Villa war nicht bewohnt. Da waren immer nur zwei Männer, die mal sauber gemacht haben“, erzählen Erich und Anneliese Stephan. Sie wohnen in der Löcknitzer Maxim-Gorki-Straße. Der Straße, in der sich die ehemalige Kaserne der Luftstreitkräfte befindet. Und zu der ein Gebäude gehört, das eine große Rauschgift-Gärtnerei beherbergte.
Wem das markante Haus mit dem gelblichen Anstrich heute gehört, das wissen weder die Stephans noch andere Anwohner. Ein russischer Bürger soll es früher einmal besessen haben. So viel scheint sicher. Der wollte dort einen Lkw-Handel betreiben. Was nicht funktionierte, weil er längerfristig kein Visum bekam.
Jetzt, so wird spekuliert, gehört das Gebäude einem Rechtsanwalt, der es an polnische Bürger vermietet hat. „Ich habe mich bloß gewundert, dass die Bewohner oder Nutzer das Tor immer mit einer Kette verschlossen haben, auch nach ihrer Ankunft“, berichtet ein Anwohner, der seinen Nahmen lieber nicht in der Zeitung lesen mag. Erst nach der spektakulären Polizeiaktion habe er erfahren, dass dort Rauschgift in großem Stil angebaut wurde. Das Gebäude sei zu DDR-Zeiten als Werkstatt und Unterkunft für die Fliegerschule genutzt worden. Auf jeden Fall biete der Keller ausreichend Platz, um dort eine solche Gärtnerei zu betreiben, sagt der Löcknitzer.
„Man denkt doch nicht, dass da diese Pflanzen angebaut werden“, zeigt sich auch Monika Ganske verwundert. Sie wohnt im Gerhart-Hauptmann-Weg, der ebenfalls an das Kasernen-Areal angrenzt. Einmal habe sie sich gewundert, dass in der Dunkelheit Licht in der Villa gebrannt habe, obwohl die unbewohnt war. Von einer Gärtnerei hat Monika Ganske jedenfalls nie etwas mitbekommen.
Auch Bürgermeister Lothar Meistring zeigt sich über die kriminelle Nutzung überrascht. „Das habe ich nicht für möglich gehalten“, sagt er. Ein wenig „verschnupft“ zeigt sich der Löcknitzer Bürgermeister, dass nicht eine Person in der Gemeinde oder im Amt über derartige Polizeieinsätze informiert wird.
Bei der Neubrandenburger Staatsanwaltschaft ist Pressesprecher Gerd Zeisler auch nach dem Vorfall eher wortkarg: Er will nicht einmal bestätigen, dass die Villa tatsächlich der Ort des Geschehens war. Auch wie die Fahnder auf die Plantage aufmerksam wurden, will er nicht preisgeben: „Das hat ermittlungstaktische Gründe.“ Immerhin sollen Täter, die Ähnliches im Schilde führen, nicht herausbekommen können, wie die Behörden ihnen auf die Schliche kommen. Und dass die Plantage in Löcknitz nicht die letzte gewesen ist, hält Michael Schuldt, Pressesprecher des Landeskriminalamts, für sicher: „Wir haben den Bereich des Rauschgiftanbaus als Schwerpunkt erkannt und wollen darin auch in Zukunft verstärkt ermitteln.“ Insofern seien die Beamten über den Fund in Löcknitz auch nicht übermäßig verblüfft gewesen – auch wenn die Größenordnung schon außergewöhnlich gewesen sei.
Schwer tun sich die Behörden auch bei dem Versuch, einen Schwarzmarktwert der angebauten Pflanzen zu ermitteln: „Das war eine Plantage, die mehrere Ernten pro Jahr zuließ.“ Insgesamt habe die Anlage in jedem Fall das Potenzial gehabt, illegales Geld im Wert von mehreren Millionen Euro damit zu verdienen, sagt Schuldt.
Dass die Polizei erst mit einer knappen Woche Verspätung offiziell über die Vorgänge informierte, erklärt LKA-Sprecher Schuldt mit dem hohen Koordinierungsaufwand. An der Aktion seien vier Behörden und externe Helfer beteiligt gewesen. Auch habe man erste Vernehmungen der Tatverdächtigen abwarten wollen. Die beiden Festgenommenen wollen laut Staatsanwalt Zeisler nichts von der Plantage gewusst haben. Doch das sei wenig glaubwürdig, denn beide seien regelmäßig beim Arbeiten auf dem Gelände gesehen worden.

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red-prenzlau@uckermarkkurier.de

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