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Als es noch keine Pampers gab

Treff zum Plausch mit unserer Zeitung: Anita Jahn (von links), Evi Ellmann, Ursula Boden-  bach und Heike Döbler. Sie erinnern sich zurück.  FOTO: Stegemann
Treff zum Plausch mit unserer Zeitung: Anita Jahn (von links), Evi Ellmann, Ursula Boden- bach und Heike Döbler. Sie erinnern sich zurück. FOTO: Stegemann

Manchmal ist es gar nicht so schlecht, wenn man alte Dinge aufbewahrt. Das findet auch Evi Ellmann. Die einstige Pasewalkerin lebt heute in Stralsund. Als sie erfuhr, dass „ihre“ Kinderkombination" (Kiko) in der
Robert-Koch-Straße abgerissen wird und unsere Zeitung Zeitzeugen sucht, machte sie sich ans Suchen und auf den Weg an ihre alte Wirkungsstätte. Denn schließlich war Evi Ellmann eine Zeit lang Chefin der Einrichtung. Kinderkombination, das bedeutete zu DDR-Zeiten, dass in einem Haus auf der einen Seite die Kinderkrippe, auf der anderen der Kindergarten untergebracht war.
So treffen sich vor Ort noch einmal Evi
Ellmann, Heike Döbler, Anita Jahn und Ursula Bodenbach. Sie gehörten zu den Chefinnen im Haus – und können sich deshalb noch so gut erinnern.
Eröffnet wurde die Einrichtung am 30. August 1980. Die erste Leiterin – sowohl der Gesamteinrichtung als auch des Kindergartens – war Bärbel Börner, Leiterin der Krippe und Stellvertreterin für das ganze Haus Heike Döbler. Ursula Bodenbach nannte sich Wirtschaftsleiterin. Anita Jahn übernahm 1983 die Leitung der Küche. In dem Jahr kam auch Evi Ellmann in das Haus.
Die Geburtswehen der Kiko 2 waren ziemlich schwierig, erinnern die Frauen sich. Bauleiter Zühlke vom Wohnungsbaukombinat machte Dampf, dass der Plattenbau fertig wurde. Die meisten Frauen, die dort einmal arbeiten sollten, wussten rund ein Jahr vorher Bescheid. Umzugs- und Reinigungsfirmen, so etwas gab es nicht. Selbst war die Frau! Wochen vorher machten sie das Haus sauber, kauften selbst das Spielzeug ein.
Angesichts der Geburtenraten in der DDR war das Haus von Anfang an überbelegt. Für 90 Kinder war der Krippenteil geplant, 120 nahm er auf. Für 180 Kindergartenkinder war das Haus gedacht, bis 200 fanden Platz. In der Krippe arbeiteten zwölf Erzieher, im Kindergarten 18,5. Hinzu kamen sechs Helferinnen. Angestellt waren sechs Raumpflegerinnen, eine Wäscherin, eine Näherin und ein Hausmeister.
„Im April haben wir Subbotnik gemacht“, weist Evi Ellmann anhand ihres alten Terminkalenders nach. Stolz war das Team darauf, dass es Ausbildungskrippe für Säuglinge war. Die Kinder wurden komplett mit Essen aus der hauseigenen Küche versorgt. „Das größte Problem hatten wir in der Waschküche“, erzählt Ursula Bodenbach. Eine Waschmaschine war für 100 Krippenkinder da. Babywäsche, Lätzchen, alles wurde gewaschen. Und Pampers wie heute gab es noch nicht. Da ging Ursula Bodenbach so manches Mal um 21 Uhr in die Kiko, um die Waschmaschine noch einmal anzustellen. Das Küchenpersonal lernte langsam, dass man für Kinder anders kochen muss als für Erwachsene.
Nach der Wende das Aus, weil es weniger Geburten gab. Die ehemalige Chefin erinnert sich: „Im Dezember 1991 habe ich meine Kündigung bekommen. Für mich brach eine Welt zusammen. Wer kannte aus der DDR schon so etwas?“ In ihrem alten Beruf arbeitete die heutige Rentnerin nie mehr. Heike Döbler war schon früher gegangen. Sie wurde Diplompädagogin. Zuletzt arbeitete sie an der Berufsschule der
Asklepios Klinik. Ursula Bodenbach wurde Schulsekretärin. Anita Jahn, heute 59, ging in das neu entstandene Cura-Seniorenheim in der Oststadt. Dort arbeitet sie noch heute.
Die Frauen würden es schön finden, wenn sich ehemalige Kiko-Mitarbeiterinnen noch einmal treffen könnten. Wer weiß in ein paar Jahren noch, wie das einmal war?
Wer noch Erinnerungen an die Kiko 2 hat, der kann unter Telefon 03973 203713 anrufen oder eine E-Mail schreiben.

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