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Braucht Löcknitz eine weitere Kita?

Schönstes Frühlingswetter! Da macht das Spielen an der frischen Luft so richtig Spaß. Im Hintergrund die im August 2011 übergebene Kindertagesstätte „RandowSpatzen“. [KT_CREDIT] FOTOS: R. Marten
Schönstes Frühlingswetter! Da macht das Spielen an der frischen Luft so richtig Spaß. Im Hintergrund die im August 2011 übergebene Kindertagesstätte „RandowSpatzen“. [KT_CREDIT] FOTOS: R. Marten

Es ist ein Zufall: Alina Dreher, Cindy Berndt, Britta Völker und Nicole Wörmsdorf – alle vier sind Löcknitzerinnen und schon Mütter oder angehende Mutter – haben einen Termin bei Kita-Chef Olaf Lejeune. Lange bevor sie ihr Kind der Einrichtung anvertrauen, möchten sie ein Blick in die Kita „Randow-Spatzen“ werfen. Räume begutachten, möglichst viel über das Erziehungskonzept erfahren, ist Ziel der Mütter-Runde mit dem Kita-Chef. Sie wollen sich aber auch ins Gespräch bringen. Denn einen Platz genau hier zu bekommen – das wird schwer. Einst konzipiert für 154 Kinder werden in der neuen Kindertagesstätte „Randow-Spatzen“ 160 Kinder betreut. Mehr geht nicht. „Wir haben eine Warteliste“, sagt Olaf Lejeune.
Der Mann hat noch immer die Unkenrufe am Tag der Übergabe im August 2011 im Ohr: Dieses Haus bekommt ihr nie voll, hieß es damals. Zehn Gruppenräume, sieben Themenräume, darunter ein Atelier, ein Musikraum, ein Labor und ein Entspannungsraum – die insgesamt komfortable Ausstattung zieht an.
Alles ist belegt. 24Erzieher, darunter drei Muttersprachler/Polnisch sorgen sich um die Kinder. Was für manch einen ein Problem ist, ist für Olaf Lejeune und für Löcknitz bis heute ein Gewinn: Etwa 25 Prozent der Kinder sind Kinder der Region mit Wurzeln im Nachbarland. „Ohne diese Kinder hätten wir diese Kindertagesstätte nicht“, unterstreicht Lejeune. Die Bau-Millionen aus dem Interreg IVa-Programm der EU flossen nur, weil es sich um ein grenzüberschreitendes Projekt handelte. Manche vergessen eben schnell.
Die Probleme sieht allerdings auch der Kita-Chef, denn ein Ende der Europäisierung der Grenzregion ist nicht abzusehen. „Polnische Familien haben erkannt, dass die Sprache das Tor zur Welt ist. Sie wissen, dass ihre Kinder andere Chancen haben, wenn sie mehrsprachig aufwachsen. Als Löcknitzer haben sie einen Anspruch auf einen Kitaplatz. Nicht unbedingt in Löcknitz, aber in der Region. Auch deutsche Familien begreifen zwischenzeitlich, wie wichtig Mehrsprachigkeit ist und sagen: Mein Kind soll hier auch Polnisch lernen.Olaf Lejeune: „Was sich in den kommenden 15Jahren noch alles entwickeln wird, kann kaum einer voraussagen. Wir wissen aber: Mehrsprachigkeit wird hier wichtig sein.“
Und die Nachfrage steigt. Erweitern? Lejeune zweifelt. Einrichtungen mit 400 oder 500 Kindern könnten kaum in dieser Qualität geführt werden. „Eine weitere Kita in Löcknitz mit zwei Gruppen mit je 16 Kinder wären für uns eine optimale Entlastung“, sagt er. Das ist eine Diskussion wert.

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