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Bürgermeister wird zum Froschretter

VonRita Nitsch

Jedes Jahr das gleiche Schauspiel. Hunderte von Kröten und Frösche gehen auf Wanderschaft. Stark befahrbare Straßen werden dabei zur Todesfalle. Um diesem Schicksal entgegen zu wirken, unterhält die untere Naturschutzbehörde in Uecker-Randow drei Schutzzäune. Einen davon betreut mit viel Hingabe
Fahrenwaldes Bürger- meister Walter Krümmel.

Fahrenwalde.Morgens um fünf Uhr hält Walter Krümmel aus Fahrenwalde nichts mehr in den Federn. Nicht, dass er schon zu so früher Stunde als Bürgermeister der Gemeinde gefragt ist. Um diese Zeit zieht es ihm hinaus in die Natur. Und von April bis in den Herbst hinein hat er noch einen besonderen Job, die Betreuung eines Krötenzaunes zwischen Bröllin und Fahrenwalde. „Ob Frösche oder Kröten, sie gehören zur Kette in der Natur“, ist Walter Krümmel überzeugt. Im vergangenen Jahr habe er rund 8000 Fröschen und Kröten bei der Hin- und Rückwanderung geholfen. Täglich heißt es dreimal den Inhalt der Fangeimer bis Ende August zu leeren.
„Das ist eine große Verantwortung“, so Krümmel. Deshalb gebe es seiner Ansicht nach wohl auch so wenige Leute, die sich dieses Ehrenamt übernehmen. Denn nur drei Schutzzäune gibt es in der Uecker-Randow-Region. Neben der aktiven Hilfe werden über den Inhalt der Eimer genaue Listen über Frösche und Lurche sowie regionale Beifänge wie Mäuse, Ringelnattern und Igel geführt. „In meinem Wohnumfeld werden immer mehr Still-
legungsflächen für Mais umgebrochen. Das ist politisch so gewollt. Doch die Störche finden oft kein Futter mehr“, macht sich Walter Krümmel so seine Gedanken. Auch Greifvögel sind betroffen.
„Für mich ist morgens die schönste Zeit, wenn alles ruhig ist und die Natur erwacht“, erzählt der 67-Jährige. Seit fünf Jahre beobachtet er außerdem die Kranichbrutpaare rund um Fahrenwalde. 2012 konnte der Naturliebhaber fünf Brutpaare beobachten, die neun Junge groß gezogen haben. Einmal zeigte er ein sehr großes Herz. Der Fuchs hatte die 13 Hühner der Familie gerissen. Walter Krümmel behielt ein Huhn und legte es als Köder in den Stall. Und tatsächlich ging der Fuchs in die „Falle“. „Da bemerkte ich, dass es eine Füchsin war, die vielleicht gerade Junge zur Welt gebracht haben könnte“, so Krümmel. Da ließ er die Füchsin frei…
Doch in diesen Tagen gehört seine Aufmerksamkeit intensiv den Eimern. Auf den Boden legt er immer etwas Laub. „Das ist wichtig, damit die Frösche bei Sonneneinstrahlung nicht austrocknen“, meint Krümmel. An diesem Morgen hatten sich als Beifänge auch einige Käfer verirrt. „Das wird meine nächste Leidenschaft, diese zu bestimmen und genaue Aufzeichnungen darüber zu machen“, verrät er. Doch in den nächsten Stunden ist er erst einmal wieder Bürgermeister. Im Amt Uecker-Randow-Tal wird er schon erwartet, um Unterschriften zu leisten und Einladungen für die nächsten Sitzungen abzuholen. Rasch steigt er auf sein Motorrad und braust davon. Doch um die Mittagszeit ist er wieder am Krötenzaun zu finden.

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