Nordkurier.de

Das ist der Mann, der Farbe in die DDR-Post brachte

Horst Hohloch ließ dieses Foto vom Wandbild anfertigen. Es ist zwölf Meter lang und zwei Meter hoch. Noch heute ist es überaus interessant, es zu betrachten.  FOTO: R. Langguth
Horst Hohloch ließ dieses Foto vom Wandbild anfertigen. Es ist zwölf Meter lang und zwei Meter hoch. Noch heute ist es überaus interessant, es zu betrachten. FOTO: R. Langguth

VonAngela Stegemann

Fünf Jahrzehnte, nachdem er in der alten Pasewalker Post ein Wandbild gemalt hat, steht der Schöpfer wieder davor. Der Maler Wolfram Schubert ist gekommen, um sein Werk
zu restaurieren.
Dabei entstand eine ungewöhnliche Idee.

Pasewalk.Ein bisschen Bammel hat er vor dieser Begegnung schon gehabt, gesteht Wolfram Schubert. Wie sieht man das, was man einst gemalt hat, 50 Jahre danach? Damals war er ein junger Mann, Ende 30. Und jetzt steht er wieder davor. Der agile 87-Jährige strahlt: „Ich bin total überrascht!“ Der Zustand des Bildes ist besser als er dachte. Nur ein paar Stellen müssen ausgebessert werden. Offensichtlich hatte die Farbe eine gute Qualität. Am meisten freut den Maler, dass sein Bild immer noch aktuell ist und dass es mit Horst Hohloch, den Besitzer der alten Post, jemanden gibt, der es erhält.
Die Erinnerungen des Malers, der heute in der Uckermark lebt, gehen zurück. Die Postdirektion des Bezirkes Neubrandenburg wollte in Pasewalks historischer Post ein Wandbild haben. Der Arbeitstitel: „Die Post – ihre Möglichkeiten der Nachrichtenübertragung.“ Ursprünglich sollte die Künstlerin Vera Kopek den Auftrag erhalten, erinnert Schubert sich. Aber sie wollte ein großes Glasfenster gestalten. Das war der Post in einem Raum, in dem Kundenbetrieb herrscht und die Leute Schlange am Paketschalter stehen, dann wohl doch nichts. Also bekam Wolfram Schubert den Auftrag. „Die Idee fand ich nicht schlecht. Die Post als völkerverbindende Institution“, meint er.

10000 DDR-Mark bekam der Künstler für sein Werk
Nach vielen Gesprächen und Studien begannen 1963 die Arbeiten. Viele persönliche Erinnerungen des Malers flossen ein. Auch die vom Briefträger, der mit dem gelben Postfahrrad von Haus zu Haus fährt. Für den Maler zog dann mit dem Auftrag in Pasewalk schon ein bisschen der DDR-Fortschritt ein. Als er sein erstes Wandbild für die Blankenseer Schule (bei Neustrelitz) malte, hatte er noch nicht mal ein Atelier. Die Entwürfe entstanden im Schlafzimmer. Nach Pasewalk hingegen, da fuhr er schon mit einem Trabant. Tagsüber malte er, wenn es dunkel wurde, fuhr er nach Hause. Ein Jahr lang. Für das zwei mal zwölf Meter große Bild gab es 10 000 DDR-Mark. Das hört sich viel an, aber ein Großteil des Geldes ging schon für die Farben drauf.
Dann reichte der Post das schöne alte historische Gebäude nicht mehr. Sie zog 2002 in einen Neubau ohne Atmosphäre an den Markt. Das alte Backsteingebäude gammelte vor sich hin – bis Horst Hohloch das nicht mehr mit ansehen konnte. Der Unternehmer, der einst in der Post arbeitete, eröffnete im einstigen Schalterraum ein Telefongeschäft. Er kaufte das Haus und ließ Seniorenwohnungen einbauen. Für den Wunsch der Pasewalker, das schöne Wandbild zu erhalten, hatte er Verständnis.
„Eigentlich ist das Bild sehr fortschrittlich“, meint Wolfram Schubert, wenn er heute davor steht. Zum Schluss hat er sogar gemalt, dass man beim Telefonieren seinen Gesprächspartner auf dem Bildschirm sehen kann. Heute alles längst Realität.
Aus der Begegnung mit der Vergangenheit und angesichts der Begeisterung, die die Pasewalker immer noch für ihr Wandbild hegen, ist eine Idee entstanden: Am
18. Juni um 18 Uhr lädt Horst Hohloch in den einstigen Schalterraum der alten Post ein. Da sind all jene willkommen, die vor 50 Jahren bei der Einweihung des Bildes dabei waren oder sich ansonsten für das Bild und den Künstler interessieren. Denn auch Wolfram Schubert ist da. Er freut sich schon riesig. „Ich glaube, wiedererkennen werde ich wohl niemanden von damals mehr“, sagt er. Oder doch?

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×