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Den alten Ami kennen wir doch: Klar, das ist Herman

Wiedersehen in Ramin: Hier wurde Herman Haenert (2. v. l.) geboren. Heute lebt der 73-Jährige mit seiner Frau Judith (Mitte) und Sohn Hans (52) in Tucson im US-Bundesstaat Arizona. Gina Karkossa (links) kannte die Eltern von Herman Heanert, Erich und Toska, gut. Rechts Barbara Rach, die mit ihrem Mann Roland im Geburtshaus von Herman Haenert wohnt.  FOTO: f. lucius
Wiedersehen in Ramin: Hier wurde Herman Haenert (2. v. l.) geboren. Heute lebt der 73-Jährige mit seiner Frau Judith (Mitte) und Sohn Hans (52) in Tucson im US-Bundesstaat Arizona. Gina Karkossa (links) kannte die Eltern von Herman Heanert, Erich und Toska, gut. Rechts Barbara Rach, die mit ihrem Mann Roland im Geburtshaus von Herman Haenert wohnt. FOTO: f. lucius

VonFred Lucius

Das ist schon
eine spannende Familiengeschichte:
Familie Haenert aus Ramin wanderte nach Amerika aus, kehrte nach Deutschland zurück und wanderte
wieder aus. Herman Haenert besuchte jetzt mit seiner Familie seinen Geburtsort – und staunte, wie schön
es hier ist.

Ramin.Zwölf Jahre liegt der letzte Besuch von Herman Haenert zurück. „Es hat sich viel verändert. Die Wege sind besser“, meint der 73-Jährige und zeigt auf den Schmagerower Weg in Ramin. Dort, im Haus Nummer 16, wurde er geboren. „Es ist aber das zweite Haus an dieser Stelle. Das erste haben die Russen 1945 abgebrannt“, erzählt Herman Haenert, der heute mit seiner Frau Judith (72) in Tucson im US-Bundesstaat Arizona lebt. Das ist auch die Heimat von Sohn Hans (52). Die Heimat der Eltern Erich und Toska, den Geburtsort von Herman, die wollen sich die drei Haenerts ansehen.
Die Geschichte der aus Ramin stammenden Familie ist ungewöhnlich. 1923 wanderten Erich und Toska nach Amerika aus. Zehn Jahre später, 1933, kehrten sie zurück. Das Gut Ramin wurde in jenem Jahr aufgesiedelt, auch die Haenerts erhielten Platz für Haus und Hof. „Zum Kriegsende sind alle Raminer vor den Russen geflüchtet. Wir wollten zu den Amerikanern, sind Richtung Berlin“, erinnert sich Herman Haenert, damals fünf Jahre alt. Wahrscheinlich, weil ein Tresor im Haus stand, ist es abgefackelt worden, vermutet er. Wiederaufbau nach dem Krieg. Anfang der 50er-Jahre ließ die Familie schließlich erneut alles hinter sich und kehrte Ramin wieder den Rücken. „Mein Vater hat gesagt, wir müssen hier raus“, blickt der 73-Jährige zurück. Land und Vieh mussten in der LPG eingebracht werden. Das wollte der Vater nicht.
In einer Nacht- und Nebel-Aktion, ohne dass die Nachbarn etwas merkten, ging es nach Westberlin. „Das mit dem Auswandern war gar nicht so einfach“, schildert Herman Haenert. Weil seine Papiere nicht vollständig waren, konnte er nicht mit den Eltern mit, die 1952 nach Amerika übersiedelten. Ein Jahr lang war das christliche Johannesstift in Berlin die Adresse von Herman Haenert. Dann konnte auch er über den großen Teich. Dort betrieb er ein Geschäft für Tierarzt-Artikel.
Erneut und dauerhaft nach Ramin zurückkehren, dass will der 73-Jährige nicht. Aber immer wieder zu Besuch kommen in die alte Heimat und in den Geburtsort. Auch seinem Enkel Zachary (29) will er das noch zeigen. „Du kannst noch so viel erzählen und Bilder zeigen. Das reicht nicht. Du musst es sehen“, meint Herman Haenert.

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f.lucius@nordkurier.de

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