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Die Kinderstube der Wälder wird 90

Darreleiter Eberhard Behrendt bereitet zusammen mit seinen Mitarbeitern das 90-jährige Bestehen der Darre in Jatznick vor. Am 8. Juni lädt die Darre zu einem Tag der offenen Tür ein.  FOTOS: r. marten
Darreleiter Eberhard Behrendt bereitet zusammen mit seinen Mitarbeitern das 90-jährige Bestehen der Darre in Jatznick vor. Am 8. Juni lädt die Darre zu einem Tag der offenen Tür ein. FOTOS: r. marten

VonRainer Marten

Garantiert wachsen
sie noch heute –
Kiefern, deren Saat 1923
in Jatznick gewonnen wurde. In diesem Jahr
vor 90 Jahren nahm
die Forstsamendarre
ihre Produktion auf.
Am 8. Juni wird das
in der Jatznicker
Darre gefeiert.

Uecker-Randow.1923. Der I. Weltkrieg liegt fünf Jahre zurück. Deutschlands Wälder werden geplündert. Das Land liefert riesige Holzmengen als Reparationszahlungen an Frankreichs und Belgiens Kohlereviere. Nicht nur die Preußische Staatsforstverwaltung steht vor der Aufgabe, die großen Lücken in den Wäldern mit Neuanpflanzungen zu schließen. Aber das Saatgut fehlt. „Etwa ab 1922 plant die Staatsforstverwaltung eine Samendarre am Standort in Jatznick, da der Ort verkehrsgünstig und in guter Lage zu den Waldgebieten in Pommern liegt. Für die Aufforstung favorisiert Deutschland Nadelbaumarten, schnell wachsend und massereich im Ertrag. Nach schon 60 Jahren kann geerntet werden“, erzählt Darreleiter Eberhard Behrendt. Die Jatznicker Darre wird von den Bauingenieuren als Nadelholzdarre geplant. Die Bauleitung übernimmt der Geheime Regierungs- und Baurat Kuno von Pentz. 1923 schließlich geht die Darre in Betrieb. Einblick in die wechselvolle Geschichte des Hauses kann jeder nehmen, der die Samendarre am 8. Juni ab
10 Uhr besucht. Dann lädt die Einrichtung zu einem Tag der offenen Tür ein. „Zusätzlich haben wir ein Programm zusammengestellt, das bei den jungen wie auch älteren Besuchern sicher gut ankommen wird. Um 11.30 Uhr eröffnen wir einen neuen Ausstellungspavillon, in dem als erste Ausstellung das Thema Harzung in Deutschland von 1916 bis 1989 dargestellt wird“, informiert der Darreleiter. Gegen 12.30 Uhr wird im Betriebsgelände der Baum des Jahres 2013, ein Wildapfel, gepflanzt, und gegen 15 Uhr werden mehr als 60 Oldtimer – vom Krad über Personenkraftwagen bis hin zum Lastkraftwagen – erwartet.
Geplant sind viele Mitmach-Aktionen, verspricht Behrendt. Unter anderem können Besucher mit der Bügelsäge wie vor einhundert Jahren Brennholz schneiden oder mit der Axt spalten. Gezeigt wird eine Ausstellung historischer Hand- und Motorsägen. Verschiedene Präsentationen gehen auf die Jagdmöglichkeiten in den Forstämtern ein.
Vor Ort sein wird auch die Tischlerei Pohl. Dort können die Kinder unter Anleitung Nistkästen bauen. Eine Palette von Holzprodukten, angefangen von der Gartenbank bis hin zum Spielzeug, präsentiert die OAS als wichtigster Partner der Darre auf dem zweiten Arbeitsmarkt. Schließlich sind fünf Führungen im Stundentakt, beginnend um 10.30 Uhr, geplant. Versorgt werden die Besucher reichlich auf dem Grillplatz, auch mit Wildfleisch und Bier. Einen Tag vor dem Tag der offenen Tür, am 7. Juni, erwartet die Darre Forstfachleute zum Symposium „300 Jahre Nachhaltigkeit – Geschichte und aktuelle Herausforderungen für das Saatgutwesen der Landesforst in Mecklenburg-Vorpommern.“

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