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Die Rückkehr der schleimigen Kriecher

"Meine Küche ist sehr übersichtlich.“ Frauen sagen das selten von sich. Aber Hannelore Komocsin aus Gellin ist so eine. Sie kam also in ihre wohlgeordnete Küche. Ihr Blick fiel auf einen Fleck mitten auf dem Fußboden. Nur dass der Fleck sich bewegte. „Das sah aus wie das Profil einer Schuhsohle“, beschreibt unsere Leserin ihre Beobachtungen. Also nahm sie das unbekannte Objekt genauer unter die Lupe. Es entpuppte sich beim Brilleaufsetzen als eine kleine braune Nacktschnecke. Hannelore Komocsin gesteht: „Mir ist bald der Kiefer heruntergefallen.“ Wo kam das Tier nur her? Die Gellinerin brachte weder Salat noch Blumen in die Küche.
Harald Janzen aus dem Landratsamt von der Umweltbehörde wunderte sich gar nicht, als wir ihm diese Geschichte erzählten. Dass sich diese hässlichen, glitschigen Tiere in den vergangenen Jahren so verbreitet haben, hängt auch mit der Globalisierung zusammen. Obst und Gemüse aus Spanien gibt es das ganze Jahr über zu kaufen. Damit werden leider auch die unerwünschten Gartenbewohner eingeschleppt. Das Schlimme: Sie haben in der hiesigen Region nach Auskunft des Fachmannes wenig Fressfeinde. Die Laufenten mögen diese Leckerei. „Aber wenn sie die Schnecken vertilgt haben, sind die Pflanzen aus dem Garten dran“, sagt Janzen. Also sind die Enten mit den langen Hälsen keine wirkliche Lösung. Auch vom viel gepriesenen Schneckenkorn und Bierfallen hält Harald Janzen nicht viel. „Es mag zuerst zwar helfen, aber ich traue dem nicht über den Weg“, sagt er. Nach einer gewissen Zeit haben sich die ungebetenen Gartenbewohner schnell daran gewöhnt. An einem Gerücht ist allerdings nichts dran: Die Schnecken überleben nicht im Abfluss des Abwaschbeckens und kommen nach einer gewissen Zeit wieder zum Vorschein.
In das Haus schleppt man sich die kleinen Tiere auf eine ganz andere Art. Die Leute setzen wieder auf Öfen und Kamine. Im Brennholz, das sie von draußen holen, steckt immer ein klein wenig Feuchte. Die lieben die Schnecken zum Überwintern. „Nacktschnecken im Haus haben nichts mit persönlicher Hygiene zu tun“, stellt Janzen klar. Auch der Frost mache die Tiere nicht kaputt. Die Gelege überleben in zwei bis drei Zentimetern Tiefe unter der Erde.
Also bleibt beispielsweise nur, im Internet zu forschen. Dort gibt es mittlerweile eine Seite, die sich nur damit beschäftigt, wie man die kleinen Tierchen los wird. Wer das Mittel gefunden hat, der kann sich ja einmal melden. Viele Schnecken-Hasser wären sicher dankbar.

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