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Die schönsten Neue-Markt-Funde lagerten Jahrhunderte in der Latrine

Keramik und Stangengläser – die alten Pasewalker bewiesen Geschmack bei der Wahl ihres Hausrates. Gezeigt werden die Exponate im Stadtmuseum.  FOTO: r. marten
Keramik und Stangengläser – die alten Pasewalker bewiesen Geschmack bei der Wahl ihres Hausrates. Gezeigt werden die Exponate im Stadtmuseum. FOTO: r. marten

VonRainer Marten

Noch bis zum 23. Juni ist
im Pasewalker Museum
die Ausstellung
„Altes vom Neuen Markt“
zu sehen. Stefan Rahde
stellte in einem Vortrag bedeutsame Exponate
vor. Unglaublich,
was der Historiker
alles zu
erzählen hatte.
Pasewalk.Wer Pasewalk wirklich entdecken möchte, der muss bisweilen tief hinunter – ins Erdreich. Seit rund 17 Jahren praktizieren das die Bodendenkmalpfleger und Archäologen im Auftrag des Landesamtes für Kultur und Bodendenkmalpflege. Über den Marktplatz und der Baustelle des Amtsgerichtes in der Grünstraße arbeiteten sich die Bodendenkmalpfleger bis zum Neuen Markt vor. Was dort ans Tageslicht kam, ist oft ungeschriebene Stadtgeschichte, jetzt aber fassbar und protokolliert.
Das Besondere des Neuen Marktes erläuterte während der Ausstellungseröffnung Historiker Stefan Rahde einem interessierten Publikum: Als das Quartier am Neuen Markt Ende der 1980-er-Jahre neu bebaut worden ist, griffen die Bagger – ohne archäologische Begleitung – tief ins Erdreich und schaufelten Stadtgeschichte fort. Wie ein Wunder erscheint es da, dass in den Randbereichen Bemerkenswertes ans Tageslicht kam: Treppenfunde im Bereich der Rabatten vor den Gebäuden 37/40, Kellermauerwerk von Gebäudenim nördlichen Bereich, die um 1630 zerstört worden sind. Schließlich Kupferscherfe (Kleinmünzen) des 16. Jahrhunderts. Am Markt 7 kamen Fragmente eines Ofens ans Tageslicht mit einem Bildnis des sächsischen Kurfürsten August (1526-1586). Der Bereich Markt 7 muss ohnehin bedeutsam gewesen sein: In der nun ausgeräumten einstigen Latrine tauchten die Scherben von Stangengläsern auf, aus denen sich 34 Gefäße zusammen setzen ließen sowie ein Hutmedaillon, das in dieser Region einzigartig ist. Alles zu sehen im Stadtmuseum!
Bereits am 24. April, 18.30 Uhr, gibt es einen weiteren Vortrag: Thomas Hoche spricht dann darüber, was er in 17 Jahren unter dem städtischen Straßenpflaster entdeckt hat.

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