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Eigentlich hasst er ja die Ballerei

VonRita Nitsch

Arno Rahn fühlt sich der Jatznicker Schützengilde eng verbunden. Der heute 87-Jährige war einer
der ersten Mitglieder
des Vereines. Und das, obwohl er damals alles andere als begeistert von der Knallerei war. Zu stark waren die Erinnerungen
an den Krieg.

Jatznick.Die schwarze Hose, das weiße Hemd, der Hut und – ganz wichtig – die grüne Jacke mit den vielen Orden liegen bereit. Heute geht der 87-jährige Arno Rahn feiern. Groß feiern. Die Jatznicker Schützengilde wird 20. „Schade, dass meine Rosi das nicht mehr miterleben kann! Sie hat sich auch im Verein wohlgefühlt und gerne gefeiert“, sagt er und denkt an seine verstorbene Lebensgefährtin.
„Schon zu DDR-Zeiten wollte mich die Gesellschaft für Sport und Technik – GST – überreden, beim Schießen mitzumachen“, erzählt der 87-Jährige. Doch zu jener Zeit habe er absolut nichts mit der Ballerei am Hut gehabt. „Der Krieg und die italienische Gefangenschaft hatten Spuren hinterlassen“, sagt er. Er hat sich mehr auf seine Arbeit als Kraftfahrer und Werkstattleiter in der Torgelower Forst konzentriert.
Doch als die Wende und der Ruhestand kamen, suchte Arno Rahn nach einem Hobby. Auto, Haus und Garten reichten nicht mehr. Als dann der Jatznicker Eckhard Gombert im Dorf unterwegs war, um Mitglieder für einen Schützenverein zu werben, konnte er doch nicht widerstehen. Gegründet wurde die Schützengilde vor 20 Jahren in der damaligen Gaststätte „Freundschaft“. „Mir lagen mehr bauliche Dinge“, denkt er zurück. Trotzdem ist er nicht ums Schießen herum gekommen, wenn es um Wettkämpfe ging. „Na ja, und dreimal bin ich sogar Schützenkönig geworden.“ Aber das sei Geschichte und ihm nicht wichtig.
Was ihn bis heute bewegt ist, dass er es nicht geschafft hat, die Mitglieder von einer elektrisch funktionierenden Bahn zu überzeugen. Selbst die Kurbelvariante, die er sich ausgedachte hat, um die Schießscheiben wieder zurückzuholen, sei inzwischen schon wieder überholt. Man holt heute die Scheiben lieber wieder eigenhändig auf dem Jatznicker Schießstand ab. Geblieben ist aber das große Eingangstor zum Schießplatz, das er selbst aus privaten „eisernen Reserven“ angefertigt hat. Und es hat auf Anhieb gepasst. Der Verein hat damals sehr viel Geld gespart.
Heute wollen Arno Rahns Beine nicht mehr so. Trotzdem zieht es ihn jeden Sonntag auf den Schießplatz, zum kleinen Schwatz und um Kaffee zu trinken. „So lange ich meinen geliebten Opel fahren kann, bin ich auch da“, sagt er schmunzelnd. Und ein Opel müsse es sein, den habe er schon im Krieg gefahren, und er sei heil nach Hause gekommen.
Dankbar ist der Jatznicker Schütze Kathrin und Christina, den Mädels seiner einstigen Lebensgefährtin, die sich um seinen Haushalt kümmern. „Zu tun habe ich trotzdem immer den ganzen Tag“, sagt er. Doch heute wird gefeiert und die schicke Uniform angelegt. Da darf auch der Ehrendolch nicht fehlen, den Arno Rahn von den Mitgliedern der Jatznicker Schützengilde zum 80. Geburtstag geschenkt bekam.
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r.nitsch@nordkurier.de

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