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Ein herrenloses Fahrrad sorgt für Aufregung

Über das Fahrrad macht sich eine ganze Straße Gedanken. Es steht seit Donnerstag vor Ostern angeschlossen am Laternenpfahl. [KT_CREDIT] Fotos/Repro: A. Stegemann
Über das Fahrrad macht sich eine ganze Straße Gedanken. Es steht seit Donnerstag vor Ostern angeschlossen am Laternenpfahl. [KT_CREDIT] Fotos/Repro: A. Stegemann

Von unserem Redaktionsmitglied Angela Stegemann

Wie gut, dass es noch aufmerksame Nachbarn gibt! So einen wie Gerhard Kücken aus
der Prenzlauer Straße in Pasewalk. Dank ihn gibt es nun ein Gesprächsthema auf der Straße, das hoffentlich bald enträtselt wird.

Pasewalk. An der Straßenlaterne vor der Gärtnerei Gutzmer, kurz vor dem Prenzlauer Tor, steht ein hochwertiges weißes Damenfahrrad mit Korb. Es ist angeschlossen. Eigentlich ist das nichts Ungewöhnliches. „Aber das Fahrrad steht schon seit rund drei Wochen da“, hat Gerhard Kücken beobachtet. Inzwischen hat es sogar einen Platten. Irgendwie macht der Pasewalker sich Sorgen: Ist da etwas passiert?

„Auch wir wundern uns die ganze Zeit, warum das Fahrrad hier steht“, sagt Verkäuferin Christiane Ziemke aus dem Blumenladen. Sie kann das Datum des Abstellens noch genauer eingrenzen: „Es steht seit Gründonnerstag dort.“ Ein geklautes Rad wird es wohl nicht sein. Die werden meist irgendwo abgestellt und nicht angeschlossen.
Vielleicht benutzt das Rad ja einer der Fahrschüler, die in die gegenüberliegende Einrichtung kommen – und hat es einfach nur vergessen? Ein Passant vermutet sogar, dass das Rad zum Unterricht in der Fahrschule benutzt wird. „Schließlich sind die Regeln für die Radfahrer im Straßenverkehr jetzt verschärft. Vielleicht will ja jemand lernen, wie man sich richtig verhalten muss“, so ein Senior. Aber das ist nicht der Fall, berichtet Inhaber Roland Müller. „Auch ich wundere mich, warum das Rad dort steht“, erzählt er. Nahm aber an, dass der Drahtesel jemandem aus dem Blumengeschäft oder dem Steuerbüro gehört. Ein Radfahrer, der sich im richtigen Verhalten im Straßenverkehr schulen lassen will, ist übrigens noch nicht in der Fahrschule vorbeigekommen.

Als wir dann das Fahrrad fotografieren, steht plötzlich ein älteres Ehepaar da, schaut ganz interessiert. „Fotografieren Sie Ihr Fahrrad, weil Sie es so schön finden?“, fragt die Frau. Als sie den Grund erfährt, erzählt sie, dass sie sich auch gerade mit einem Zweirad beschäftigt hat. „Ich habe eines gemalt. Jetzt ist es im Lindetalcenter Neubrandenburg zu sehen“, erzählt sie. Gundula Schaffer ist Freizeitmalerin aus Sandförde. Bei ihr im Atelier, Am Sandweg 27, ist ihr gemaltes Rad dann Pfingsten bei „Kunst:Offen“ zu sehen.

Und das richtige Rad steht immer noch. „So einen Fall haben wir noch nie gehabt“, meint Dorit Genz vom städtischen Fundbüro. Kompliziert sei es deshalb, weil das Fahrrad ja angeschlossen sei. Räder, die ins Fundbüro gebracht werden, findet meist jemand irgendwo unangeschlossen auf. „Wir können das Schloss jetzt noch nicht knacken“, soDorit Genz. Die Anwohner sollen ein wachsames Auge auf das Fahrrad haben. Holt es die rechtmäßige Besitzerin aber auch in Zukunft nicht ab, nimmt sich das Fundbüro der Sache an.

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