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Ein Stolperstein für jedes Opfer: Pasewalks Senioren helfen dabei

70 Juden, die  in Pasewalk geboren und von den Nazis umgebracht  wurden , gab es. Ihnen wird seit 2005 mit den Stolpersteinen ein Denkmal gesetzt. [KT_CREDIT] FOTO: A. Stegemann
70 Juden, die in Pasewalk geboren und von den Nazis umgebracht wurden , gab es. Ihnen wird seit 2005 mit den Stolpersteinen ein Denkmal gesetzt. [KT_CREDIT] FOTO: A. Stegemann

VonAngela Stegemann

Unter den Mitgliedern des Pasewalker Senioren- und Behindertenbeirates ist niemand mehr, der jüdische Mitbewohner noch persönlich kennengelernt hat. Die Senioren haben trotzdem gesammelt für einen Stolperstein.

Pasewalk.Egon Krüger ist gerührt von so viel Einsatz. Die engagierte Runde des Senioren- und Behindertenbeirates macht es mit möglich, dass im Sommer weitere Stolpersteine verlegt werden können. Vorstandsmitglied Renate Kroll nahm die Aktion in die Hand. 120 Euro wurden gesammelt und an Dr. Egon Krüger, der sich ehrenamtlich mit jüdischer Geschichte beschäftigt, übergeben. Der Stein mit der Messingplatte, hergestellt vom Kölner Künstler Gunter Demnig, erinnert an die Opfer des Nazi-Terrors.
Da es in Pasewalk keine Sinti und Roma gab, waren es fast ausschließlich jüdische Mitbürger, die in den Konzentrationslagern umgebracht wurden. Vorher flüchteten sie oft noch von Pasewalk aus in Großstädte, glaubten so in der Anonymität überleben zu können, erzählt Egon Krüger. Aber es half ihnen nichts. Nach Stettin war Pasewalk die vorpommersche Stadt, in der Mitte des 19. Jahrhunderts die meisten Juden lebten. Bereits 1859 waren 284 registriert. Das entsprach in etwa einem Bevölkerungsanteil von fünf Prozent. 1933 waren es, Kinder nicht mitgerechnet, nur noch 41 Juden.
Wie Egon Krüger sagte, gibt es nachweislich rund 70 ehemalige Mitbürger jüdischen Glaubens,die in Pasewalk geboren und von den Nazis umgebracht wurden. Ihnen wird seit 2005 in der Stadt mit den Stolpersteinen ein Denkmal gesetzt. Die Stadt Pasewalk war übrigens die erste in Mecklenburg-Vorpommern, die diese Aktion startete. Daran erinnerte Bürgermeister Rainer Dambach (parteilos), der sich ebenfalls für die Verlegung der Stolpersteine engagiert.
Bisher wurden in der Stadt bei acht Aktionen 55 solcher Gedenkplatten verlegt. In
diesem Jahr sollen sechs weitere hinzukommen. Mit dem 10. August steht auch schon ein Termin fest. An diesem Tag feiert auch das Aktionsbündnis „Vorpommern: Weltoffen, demokratisch, bunt!“ das einjährige Bestehen. Wie Egon Krüger sagte, wird noch nach weiteren Sponsoren gesucht, um auch die restlichen Stolpersteine verlegen zu können.

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