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Energie: Pasewalk will sich selbst versorgen

An der Uecker entsteht aus einem alten Turbinenhaus ein Umweltbildungszentrum. Derzeit fehlt aber das Geld, um weiter zu machen.  Foto. A. Stegemann
An der Uecker entsteht aus einem alten Turbinenhaus ein Umweltbildungszentrum. Derzeit fehlt aber das Geld, um weiter zu machen. Foto. A. Stegemann

Die Pasewalker verschenken viel Geld. Das jedenfalls behauptet Stephan Latzko. Der Betriebswirt kommt vom Umwelt-Campus Birkenfeld der Hochschule Trier. Das erarbeitet derzeit ein Klimaschutzkonzept für die Stadt Pasewalk. Erste Zwischenergebnisse wurden dem Bauausschuss vorgestellt. Das mit dem Geldwegwerfen begründet der Fachmann. Angesichts steigender Strompreise fließen seit 2010 in 30 Jahren rund 8,7 Millionen Euro aus der Region ab, errechneten Latzko und seine Kollegen. Das soll sich ändern. Gegenwärtig wird ein Soll-Szenario bis zum Jahr 2050 erarbeitet. Ziel ist es, dass sich die Stadt bis dahin selbst mit Energie versorgt.
Doch bis dahin ist viel zu tun. Die Fachleute setzen nicht nur auf alternative Energien. „Wir wollen keine Ökologie-Romantik erzeugen. Die Bürger lassen sich nur überzeugen, wenn sie einsparen können“, meint der Betriebswirt. Darum ist seiner Ansicht nach „Energieeinsparung die beste alternative Energie“. Derzeit wird deshalb der Ist-Zustand unter die Lupe genommen. 2010 verbrauchten die rund 11 300 Einwohner 25233 Mwh Strom und 84 615 MWh Wärme. Der Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch liegt in Pasewalk niedriger als auf Bundesebene. Beträgt dieser 20,3 Prozent, so sind es in Pasewalk 17 Prozent. Die privaten Haushalte und der Bereich Verkehr sind mit einem Anteil von jeweils 41 Prozent die stärksten Verbrauchergruppen. Bei der Erneuerung der Heizungsanlagen gibt es Nachholbedarf. 16 Prozent der Anlagen sind älter als 25 Jahre, 41 Prozent älter als 20 Jahre. Für das Klimaschutzkonzept wurden auch die Biomassepotenziale, die Land- und Forstwirtschaft sowie die Windpotenzialflächen untersucht. Latzko bedauerte, dass er von den Stadtwerken keine Angaben zur Fernwärme bekam. Für die Zukunft denkbar wären für den Erarbeiter des Klimaschutzkonzeptes Solar-Bürgergenossenschaften mit einer Bank. Wie Bauamtschefin Monika Hänsel sagte, gibt es bereits erste Gedanken, in der Oststadt einzelne Gebäude von der Fernwärme abzukoppeln. Bauausschusschefin Petra Zeise sieht die Entwicklung aber nicht problemlos. Sie verweist darauf, dass viele Hauseigentümer schon zur älteren Generation gehören. Da ist die Bereitschaft zu investieren eher gering. Um voranzukommen, ist geplant, noch in diesem Jahr einen Klimaschutzmanager einzustellen. Er wird über eine dreijährige Förderung finanziert. Er soll die Einwohner beraten und das Konzept schrittweise umsetzen helfen.

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