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Er weiß, welche Geheimnisse das Erdreich der Stadt birgt

VonAngela Stegemann

Thomas Hoche gräbt seit
16 Jahren in Pasewalk. Und
weil der Archäologe so viel über die Vergangenheit der einst reichen Stadt weiß, findet er: Die Pasewalker sollten stolz
auf ihre Stadt sein!

Uecker-Randow.Thomas Hoche, der im Auftrag des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege nach Zeugen der Vergangenheit gräbt, weiß, wie er seinen Chef glücklich machen kann: Mit Grabungen in Pasewalk. „Es ist jedes Mal ein Highlight, wenn man in Pasewalk gräbt, vergleichbar mit Greifswald und Stralsund“, schwärmt der Uhlenkruger. Pasewalk ist beispielsweise die einzige Stadt Deutschlands, in der bisher sechs Warmluftheizungen entdeckt wurden. „Bis 1630 hatten die Pasewalker Geld“, sagt Thomas Hoche bei einem Vortrag im Stadtmuseum. Das belegt auch der absolut tollste Fund aus all den Jahren, das Entdecken der Fundamente und einiger Keller des mittelalterlichen Rathauses mitten auf dem Markplatz. Wer wissen will, wie es aussah, muss nach Greifswald fahren. Dort steht die Zwillingsschwester noch. Lange haben die Historiker gegrübelt, warum Pasewalk damals so reich war. Ihre Erklärung heute: Die Stadt war im Mittelalter ein Knotenpunkt, an dem der Getreidehandel kontrolliert wurde. Einmalig für Deutschland sei auch ein bei den Ausgrabungen auf dem Marktplatz gefundenes Ensemble, erzählt Thomas Hoche. Entdeckt wurden neben dem riesigen Rathaus auf dem Markt, 65 mal 18 Meter groß, unter anderem neun Feldsteinschächte und Marktbuden. Auch ein mittelalterliches Kaufhaus wiesen die Archäologen nach. Dieses
befand sich dort, wo heute die Mauer am alten Landratsamt ist. „Vom alten Rathaus haben wir einen wunderschönen Keller ausgegraben“,
erzählt Hoche. Wäre es nach ihm gegangen, könnten die Pasewalker heute durch eine Plexiglasscheibe vom Markt aus in ihre Vergangenheit blicken. Aber das kostet. So befindet sich der Keller zugeschüttet unter dem Pflaster des Platzes. „Aber vielleicht finden wir ja mal einen Gönner, der uns das Geld dafür spendiert“, hofft Hoche noch immer. Er ist eigentlich Sachse, kam 1988 her, und die Geschichte der Vorpommern ist durch seinen Job die seine geworden. „Ich würde mir wünschen, dass die Pasewalker stolz auf ihre Stadt sind und daraus mehr machen“, sagt er.
Am 12. Mai, dem Internationalen Museumstag, dreht sich alles um das Thema Markt. Um 11 Uhr sind die Pasewalker aufgerufen, sich auf dem Marktplatz einzufinden. Dort sollen die Menschen eine Kette bilden und so den Umriss des mittelalterlichen Rathauses nachstellen. Da wird es dann auch noch um Rathausgeschichten gehen. Denn im Dreißigjährigen Krieg war es mit der Pracht Pasewalks erst einmal vorbei. Rund 100 Jahre mussten vergehen, bis die Stadt ein neues Rathaus erhielt. Das 1726 gebaute stand dort, wo sich heute das alte Landratsamt befindet.

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