Sa. 30. Juni 2012
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Christentum von Redaktion

Es muss keine Reise sein: Erholen lässt es sich auch hier

Urlaub hast du? Na dir geht es ja gut. Das kann ich mir nicht leisten.“Hätte ich mich bloß nicht auf ein Gespräch eingelassen, denke ich. Ich freue mich so auf meinen Urlaub und jetzt wird er mir madig gemacht. Und das wirkt sofort. Ein Gefühl von schlechtem Gewissen macht sich breit. Es tut mir wirklich leid, dass er sich keinen Urlaub leisten kann. Trotzdem würde ich jetzt das Gespräch gerne abbrechen, damit ich nicht noch sagen muss, wie lange ich Urlaub habe und wohin ich fahre.
Urlaub, Ferien, Sommer, das sind besondere Zeiten im Jahr, die wir nutzen, um auszuspannen und Kraft und Licht für das lange Jahr zu tanken. Wir brauchen Zeiten der Entspannung. Zwar wird uns hier und dort eingeflüstert, dass es dem Wachstum und der Wirtschaft schadet, wenn der Mensch auch mal frei haben will. Doch das glauben wir nun auch nicht, dass damit die Welt zu retten sei. Der Mensch kann da nicht mithalten. Seine Seele und sein Körper versagen irgendwann den Dienst. Doch was ist dann?
Selbst Jesus, so lesen wir es in der Bibel, zog sich immer wieder zurück, um auszuruhen. Und in der Schöpfungsgeschichte hören wir, dass es einen Ruhetag geben muss in der Woche. Ein uraltes Wissen ist das. Psychologie und Medizin haben das nun wissenschaftlich genau erklärt. Doch was nützt das ganze Wissen, wenn wir immer in Anspannung leben? Und noch bedenklicher ist, wenn wir uns dieses Menschenrecht gegenseitig nicht mehr gönnen können. Steckt dahinter nicht die eigene ungestillte Sehnsucht nach Freiheit, Stille, Wärme, nach Zeiten, das Leben noch anders wahrzunehmen? Es kann der eigene Mangel sein, der sich in dieser Situation meldet. Mein eigener Mangel, eventuell auch der an Geld, darf nicht der Grund sein, sich und anderen keine Auszeit mehr zu gönnen.
Natürlich ist es traurig, wenn viele keine große Reisen machen können. Um so wichtiger: Vielleicht brauche ich gar keine lange Reise, sondern kann auch hier mit dem Fahrrad oder zu Fuß tolle Entdeckungen machen. Meine Seele darf sich an der Schönheit eines Waldes, eines stillen Sees, eines Abends mit Freunden im Garten oder einem Ausflug mit anderen freuen. Das alles und noch viel mehr gibt es gratis. Gott sei Dank. Vielleicht lohnt es.
Und manches Gebet lädt uns ein, Gott darum zu bitten:„Lass mich langsamer gehen, Gott, entlaste das eilige Schlagen meines Herzens, durch das Stillwerden meiner Seele. Lehre mich die Kunst des freien Augenblicks, die Kunst des Staunens über diese Welt. Segne und fülle meine freie Zeit und aller, die auch brauchen.
Pastorin Ulrike Bohl,
Pasewalk
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