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Herr Krüger ist uns wichtig!

VonRainer Marten

Da steht abseits aller Straßen ein Gedenkstein. Und nicht jeder Pasewalker weiß, warum er aufgestellt wurde. Wir sagen es Ihnen – und dem Sprayer, der
den Stein vor Kurzem
verunstaltet hat.

Pasewalk. Das Porträtfoto ist sehr unscharf. Zu sehen ist ein Mann in den besten Jahren – mit Nickelbrille, Schnauzer,mit sehr kurzem Haar und kahl rasierten Schläfen. Genau so stellt man sich einen Kaufmann vor, der Anfang des 20. Jahrhunderts lebte. Rein äußerlich entspricht Emil Johann Christian Krüger(1861-1924) allen Vorstellungen von einem Aufsteiger, der es zu etwas gebracht hat. Warum nun steht an Pasewalks südlichem Stadtrand, in einer Parkanlage, die sich nach und nach die Natur zurück erobert, ein Gedenkstein für Emil Krüger?
Ein gebürtiger Pasewalker ist Krüger nicht; er kam am 23. August 1861 in Belling zur Welt. Eineinhalb Monate später zog die Familie nach Pasewalk, jener Stadt, der er sein Leben lang verbunden blieb. In Pasewalk erlernte Krüger den Beruf eines Kaufmanns in einem Tabakwarengeschäft. Anschließend zog er nach Berlin. 1887 gründete er am Spittelmarkt eine eigene Firma, die unter dem Namen „Krüger & Oberbeck“ zu einer ersten Adresse wurde, wenn es um den Tabakhandel ging. Bis 1914 gründete Krüger rund 120 Filialen – und kam so über den Tabakhandel zu Wohlstand. Fern der Heimat blieb Krüger Pasewalk verbunden. 1917 setzte er eine Schulgeldstiftung mit 7225 Mark ein. Für die Schülerspeisung stellte er der Stadt 1225 Mark zur Verfügung. Weitere Gelder stiftete er für eine Schulbibliothek und für den Turnverein. Für die Projektierung der Pasewalker Kanalisation stiftete er 5000 Mark und übernahm damit 50 Prozent der Kosten. 1917 spendierte Krüger erneut 3500 Mark für die Errichtung eines Soldatenheimes in Pasewalk.
Am 30. November 1912 bot er der Stadt Pasewalk die Gestaltung eines Parkes an –nach dem Vorbild der damals weit und breit entstehenden Bürgerparks. Für diesen Park stiftete er insgesamt gut 38000 Mark. Vor diesem Hintergrund verlieh ihm die Stadt Pasewalk am 16. Juli 1913 das Ehrenbürgerrecht. Krüger, nach einem Schlaganfall 1920 geschwächt, starb 1924. Ihm zu Ehren ließ die Stadt 1929 einen Gedenkstein errichten.
Vor dem Hintergrund, dass es sich um ein „bürgerliches Erbe“ handelt, wurde der Stein 1954/55 abgerissen. Den Sockel fand man nach intensiver Suche 1989 wieder. Dieser Sockel trägt seit dem 28. November 2005 einen neuen Krüger-Gedenkstein – mit der Inschrift des Jahres 1913.
Mehr in: Wolfgang Brose,
PasewalkerPersönlichkeiten

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