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Illegale überfordern den Landkreis

VonGabriel Kords

Illegal einreisende Familien aus Tschetschenien halten derzeit die vorpommerschen Behörden auf Trab.
Der Kreis will für eine menschenwürdige Unterbringung sorgen.
Doch das ist leichter
gesagt als getan.

Vorpommern.„Plötzlich kommt der Anruf, dass wieder eine Familie aufgegriffen wurde und dann müssen wir uns etwas einfallen lassen.“ So beschreibt Kreis-Sozialamtsleiter Gerd Hamm die Situation, wenn die Bundespolizei sich bei ihm meldet, oft in der Nacht. Mehr als ein Dutzend illegal einreisender tschetschenischer Familien hat die Polizei in den letzten Wochen aufgegriffen, meist auf der A11. Weil die Illegalen oft keine Ausweise haben, braucht die Polizei einige
Wochen, um deren Personalien festzustellen und die Abschiebung in die Wege zu
leiten.
Die ist bei illegal Einreisenden unausweichlich: Sie haben einen rechtlichen Status noch unterhalb von Asylbewerbern. Während letztere offiziell „geduldet“ werden, bis ihr Asylverfahren abgeschlossen ist, werden Illegale in der Regel sofort abgeschoben. Für Männer bedeutet das: Abschiebehaft im Gefängnis, bis die Abschiebung stattfindet.
„Es gibt aber eine Absprache, dass das für Frauen und Kinder unzumutbar ist“, sagt Sozialamtsleiter Hamm: „Für Frauen und Kinder muss der Kreis daher nach geeigneten Unterkünften suchen.“ Und das gestaltet sich in den vergangenen Wochen zunehmend schwierig: „Normalerweise haben wir ein bis zwei solcher Fälle im Jahr. Doch 2013 kam schon ein knappes Dutzend Familien, häufig mit vielen Kindern. Wir mussten 28 Personen unterbringen, ohne dafür Kapazitäten zu haben.“ Darunter sind zum Teil Säuglinge, einer von ihnen ist noch nicht mal ein Jahr alt.
„Solche Familien können wir nicht einfach in ein Obdachlosenheim bringen“, sagt Hamm: „Wir bemühen uns in soclhen Fällen darum, die Familien bei freien Trägern unterzubringen.“ Derzeit sind das etwa das Greifswalder Frauenhaus sowie mehrere Einrichtungen im Südkreis, etwa in Eggesin. Die Asylbewerberheime des Kreises kommen nicht in Frage, sagt Hamm: „Das Land hat uns klar gemacht, dass für Illegale nicht dieselben Bedingungen gelten dürfen wie für Asylbewerber.“
Doch auch die Unterbringung bei den freien Trägern ist für den Kreis alles andere als günstig: Mit etwa 50 Euro pro Tag und Person kalkuliert Hamms Amt. „Da kommt schnell eine fünfstellige Summe zusammen, die wir nirgendwo eingeplant haben“, klagt Sozialdezernent Dirk Scheer. Bislang sei völlig ungeklärt, wie der Kreis das bezahlen solle.
Der Ausblick ist nicht rosig: Die Behörden gehen offenbar davon aus, dass etliche weitere Familien aufgegriffen werden, auch wenn das niemand offiziell be-
stätigen will. „Wir wissen langsam nicht mehr, wie
wir das bewerkstelligen sollen“, klagt Amtsleiter Hamm. Bislang hat sein Amt
jedes Mal erfolgreich improvisiert – „aber uns fehlen
jedwede Kapazitäten“, sagt er.

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