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Katzenfutter hilft den Störchen jetzt

Von unserem RedaktionsmitgliedFred Lucius

Die ersten Störche
sind zurück. Kein idealer Zeitpunkt in diesem Jahr: nachts ist es noch bitter- kalt, am Tage weht ein eisiger Wind. Und die Nahrungssuche gestaltet sich schwierig.


Pasewalk.Günter Pellatz macht sich schon Sorgen. Findet der Storch jetzt ausreichend Nahrung? Der Pasewalker Senior glaubt das eher nicht. Die Seen sind teilweise noch zugefroren, das erste Grün und damit auch Insekten, Mäuse und Würmer lassen auf sich warten. „Ich werde wohl etwas Katzenfutter hinstellen. Bedienen kann sich der Storch auch am Hühnerfutter. Das wäre nicht schlecht. Das hat in der Vergangenheit schon mal
geklappt“, sagt der 86-Jährige, auf dessen Grundstück in der Anklamer Straße der erste Pasewalker Storch eintraf. In der Region ist er aber nicht der erste. Den Titel des Erstankömmlings dürfte wohl der Rotschnabel in Glasow für sich in Anspruch nehmen, der bereits am 27. März gesichtet wurde. Dann zwischenzeitlich wieder kurz weg war, jetzt aber fleißig beim Nestbau ist. Auch aus Belling kam gestern die Meldung über einen Storch.
„Anfang April ist unser Storch schon öfter gekommen. Das weiß ich so gut, weil meine Frau am 2. April Geburtstag hat. Da war der Storch oft schon da“, erzählt Günter Pellatz. Seit 18 Jahren steht das Storchennest auf seinem Grundstück. Entstanden ist die Idee zum Nestaufbau bei einer Geburtstagsfeier mit seinem Nachbarn Reiner Stieber. Im Zuge des Straßenbaus in der Anklamer Straße sind auch die Straßen-Laternen erneuert worden. Ein Laternenmast wurde gesichert. Korb und Unterlage gab es damals von der Unteren Naturschutzbehörde. Mit dem Nachbarn und einem Imker-Kumpel wurde der Mast schließlich aufgestellt und mit Seilen gesichert. „Das war am
30. März. Einige meiner Nachbarn waren ja skeptisch. Ich nicht. Und am 9. April kam der Storch und begann gleich mit dem Bauen“, erinnert sich der 86-Jährige. Seitdem hat es bis auf ein Jahr immer mit Nachwuchs geklappt. Meist wurden zwei Junge großgezogen, im vergangenen Jahr ein Jungstorch, das Jahr davor vier.


„In einem Jahr war nur einer auf dem Nest. Der andere muss wohl umgekommen sein“, vermutet Günter Pellatz, der die Liebe zum Weißstorch von seinen Großvätern „geerbt“ hat. In ihren Heimatorten im damaligen Kreis Preußisch-Stargard (heute Polen) kamen die Störche auch regelmäßig jedes Jahr. „Bei uns gibt es heute kaum noch Koppeln mit Kühen. Darum geht auch die Zahl der Störche zurück“, ist sich der Pasewalker sicher. Storchfreunden wie Günter Pellatz rät Harald Janzen von der Unteren Naturschutzbehörde, den noch wenigen Adebaren in der Region etwas Futter anzubieten. Katzenfutter etwa oder andere Nahrung mit Proteinen. „Die Störche finden draußen ja kaum etwas“, sagt Janzen. Sobald es aber keine Nachtfröste mehr gibt und die Natur erwacht, kämen auch die Insekten heraus. „Eventuell ist das ja schon nächste Woche so weit“, hofft der Natur-Experte.

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