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Keramik mit tollen Farbspielen

Ein ausrangierter Waschkessel voller Holzspäne lässt die rot glühende Keramik auflodern und überraschende Farbspiele entstehen.  FOTO: Gräfe
Ein ausrangierter Waschkessel voller Holzspäne lässt die rot glühende Keramik auflodern und überraschende Farbspiele entstehen. FOTO: Gräfe

VonGerald Gräfe

Jeder Brand ist eine Überraschung: Unikate nach einer japanischen Technik entstehen in einem Brennofen im Darguner Ortsteil Glasow.

Glasow.Ein altes Ölfass per Propangasflasche befeuert und ein ausrangierter Waschkessel voll Holzspäne. So kommt die „Brennkammer“ von Katharina Wenzel-Schüßler daher. Seit 2008 entstehen in ihr die Keramiken der Frau. Steinzeug, vor allem als Ulkfiguren für drinnen und draußen. Und die „rissige“ Keramik nach einer japanischen Fertigungsart, dem Raku. Hierbei werden die Stücke nach dem Brennen nicht wie sonst üblich zum langsamen Abkühlen im Ofen belassen. Mit eisernen Zangen werden die bei 1000 Grad Celsius rotglühend gemachten Keramiken ins Freie gesetzt, „schockgekühlt“. Kurz darauf werden sie in besagten Kessel gesetzt und dieser abgedeckt. Der entstehende Rauch, der Sauerstoffentzug sowie die in den Spänen enthaltenen Mineralien bewirken eine Veränderung der chemischen Zusammensetzung der Tonwaren. Offensichtlich wird das durch schillernde, grenzenlos ineinander übergehende Farbspiele. Zudem lagert sich der schwarze Kohlenstoff in die Haarrisse ein, die durch den „Kälte-Schock“ entstanden sind.
So entstehen in Glasow Unikate. Denn steuern lassen sich die Riss-Bildungen und die Farbspiele nur bedingt. Der Schwelbrand in den Spänen und die Dauer des Sauerstoff-Entzuges erzeugen auch für die Keramikerin immer wieder verblüffende Farbspiele. Bevor diese sichtbar sind, bedarf es einer Reinigung der schwarz aus dem „Waschkessel“ kommenden Stücke. Mit Sand und Stahlwolle wird die schmierige Kruste entfernt – eine „Schweinearbeit“ – und geschaut, was entstanden ist. Nicht immer zur Freude der Frau: 80 Prozent Ausschuss muss sie „einplanen“. Die Haarrisse erfassen nicht nur wie gewollt die Glasur, sondern auch die darunter liegende Tonschicht.
Wer diese Art der Keramik-Herstellung live erleben möchte, der ist zu „Kunst offen“ auf dem „Hof Auenland“ gern gesehen. Am Sonnabend, Sonntag und Montag gibt es um 11 und 15 Uhr ein Schaubrennen. Ansonsten kann unter der Weide vor dem alten Bauernhaus bei Kaffee und Kuchen verweilt werden: Neben den Glasower Keramiken gibt es hier auch Zeichnungen im Scherenschnittstil und Acrylmalerei von Uta Ehlers aus Doberan, Schmuck mit Ostsee-Bernstein und Ostsee-Fundstücken von Christine Niendorf aus Doberan und Naturkosmetik von Carina Benkert aus Dargun. Geöffnet ist an allen drei Tagen von 10 bis 18 Uhr.

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