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Mit Wasser den Mann betören

VonRainer Marten

Alljährlich zu Ostern ist die Quelle am Bagemühler Weg kurz vor Wollin ein Anziehungspunkt für jene, die noch Traditionen pflegen. Dort wird das Osterwasser geholt. Unverheiratete Frauen sollen dort auch schon beobachtet worden sein.

Wollin.Frauen mussten früher Ostersonntag vor allem eines können: Den Mund halten, sollte ein Zauber nicht verloren gehen. Dem Osterwasser, das sie von einer Quelle holten, wurden besondere Eigenschaften zugeschrieben. Neben seiner heilenden Kraft wurde dem Wasser nachgesagt, die Fruchtbarkeit zu fördern. Junge Mädchen holten das Osterwasser, damit der damit bespritzte Verehrte ihre Schönheit erkennt. Das alles hat jedoch einen Kniff: Beim Osterwasserholen darf die Frau entweder nicht gesehen werden oder aber kein Wort auf dem Hin- und Rückweg sprechen, sonst würde das Osterwasser seine Wirkung verlieren. Die Männer machten entlang
des Weges deshalb so ihren
Schabernack mit den Mädels.
Am Bagemühler Weg kurz vor dem Hof Glasenapp befindet sich seit Generationen eine Quelle, die seit einigen Jahren Ostern wieder eine Rolle spielt. Ganz früh sollen dort jene unverheiratete Frauen unterwegs sein. Erzählt man jedenfalls.
„Wir indes holen dort nur das Osterwasser für den Gottesdienst morgens um 8 Uhr in der Wolliner Kirche“, erzählt Grit Glasenapp. Glase-
napps wohnen nur einige Meter von diesem magischen Ort entfernt. „Wenn es zu den heute seltenen Energieausfällen kommt und unsere Hauswasserversorgung nicht funktioniert, dann können wir dort noch immer Wasser zapfen“, erzählt sie weiter.
Seit eineinhalb Jahrzehnten ist die Quelle mit Natursteinmauerwerk eingefasst. Und alle Jahre wieder versucht die Natur, sich das Kleinod einzuverleiben. Damit das nicht passiert, sorgen sich seit Jahren Astrid und Paul Wall aus Battinsthal um den Sprudel. Enkelsohn Max Retzlaff (11) aus Ladenthin
ist gelegentlich auch dabei. Der Quelle ist Max besonders verbunden, sagt Paul Wall. „Wir haben dort das Tauf-
wasser für den Jungen geholt.“ Bei den jährlichen
Besuchen an der Quelle werden im Frühjahr die Blätter und das abgestorbene Kraut beseitigt. So auch in diesem Jahr wieder. Ein Bepflanzung mit Sommerblumen darf ebenfalls nicht fehlen. „Wir machen das, weil wir
Freude an diesem Stückchen Natur haben“, ergänzt Astrid Wall.
Die Quelle versiegt auch im heißesten Sommer nicht, berichtet Grit Glasenapp. Sie existiert mindestens schon seit 1860, als Glasenapps einst ihre Hofstelle am Bagemühler Weg anlegten.

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