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Noch ein DDR-Block für die Schweizer

Frank Bollmann wohnt mit seiner Familie in einem der versteigerten Blumenhagener Blöcke: „Meine größte Sorge ist, dass die ohnehin schon hohe Miete noch stärker steigt.“
Frank Bollmann wohnt mit seiner Familie in einem der versteigerten Blumenhagener Blöcke: „Meine größte Sorge ist, dass die ohnehin schon hohe Miete noch stärker steigt.“

VonRainer Marten

Nun haben auch die Mieter an der Groß Luckower Straße 5, 7, 9, 11 und 13 Gewissheit: Ihre Mietshäuser gingen per Versteigerung
in den Besitz einer Schweizer Firma über.

Blumenhagen.Das Wetter ist Frank Bollmann viel zu schön, um sich eine Stunde lang anzuhören, was im Amtsgericht Pasewalk vor sich geht. Der Blumenhagener, Mieter einer knapp 60 Quadratmeter großen Wohnung an der Groß Luckower Straße 13, räumt im Garten auf – und ist am Ende doch neugierig, wie die Versteigerung auch seiner Wohnung vormittags im Amtsgericht abgelaufen ist: Die Schweizer? Ja, die Schweizer.
Dass versteigert wird, hatte der Familienvater vor einiger Zeit per Schreiben erfahren. Und wie viele andere Mieter hat er in den Wochen zuvor beobachtet, wie Blöcke von der insolventen Wohnungsverwaltungsgesellschaft Uecker-Randow mbH in Richtung Schweiz versteigert worden sind. Da ist viel Geld geflossen. „Meine größte Sorge ist, dass wir jetzt noch mehr Miete zahlen
müssen. 487 Euro für eine Dreiraumwohnung, die etwa 59 Quadratmeter groß ist, sind schon viel“, sagt er. Jennifer Blum, die seit einem Jahr in einem der beiden
Häuser wohnt, findet das auch: „Es ist ganz schön teuer, hier zu wohnen. Aber
fort möchte ich auch nicht. Ich stamme aus Blumenhagen.“
Fort möchten sie eigentlich alle nicht aus Blumenhagen und aus ihrer Wohnung. Sabine Kreipel hat sich deshalb Zeit genommen, um direkt im Amtsgericht zu erleben, wie so ein Eigentumswechsel vonstatten geht
– per Versteigerung. Vor Ort auch Mieter Klaus Hoffmann sowie Ingrid Swoboda und Mann. Letztere allerdings sowie Ortsvorsteher Volker Berg wohnen nicht in einem der betroffenen Blöcke. Das Prozedere beginnt um 10 Uhr mit Formalitäten. Betreiber der Versteigerung gegen Rechtsanwalt Dr. Förster als Insolvenzverwalter ist die einst kreditgebende Deutsche Kreditbank AG. Zu Buche stehen rund 791000 Euro, die einst die Wohnungsverwaltungsgesellschaft nicht mehr bedienen konnte und die nun, auch wenn nur teilweise, auf diesem Wege eingetrieben werden sollen. Einen hinteren Rang besitzt die Nord LB.
Um 10.24Uhr eröffnet Rechtspflegerin Marleen Steinat die Bieterstunde. 30Minuten wird sie dauern. Und auch dieses Mal herrscht Spannung fast bis zum Schluss: Alle schweigen sich aus, niemand steigert. Etwa fünf Minuten vor Ende der Bieterstunde signalisiert Michael Truernit sein Gebot: 500 000 Euro im Auftrag der CFEPortfolioIAGZürich. Wieder werden etwa 50 000 Euro mehr geboten, als der Verkehrswert beträgt.
Sabine Kreipel beschleicht ein ungutes Gefühl. Wer weiß, was jetzt kommt, sagt sie. Auch sie befürchtet Mietsteigerungen. Diese Mietsteigerung hat es allerdings bis heute für die Mieter des zuerst versteigerten Blockes (Schönwalde) nicht gegeben. Die Pasewalker Zeitung fragte nach: Die Mieter wurden, so hieß es vor Ort, über
den Eigentumswechsel informiert. In Aussicht gestellt wurde ihnen sogar ein Ansprechpartner in Pasewalk in einem dort noch einzurichtenden Büro.

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r.marten@nordkurier.de

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