Nordkurier.de

Pasewalk: Auf den Spuren des einstigen Prachttores

VonAngela Stegemann

Thomas Hoche hat sich einen großen Traum erfüllt. Gemeinsam mit Stefan Rahde fand er Pasewalks prächtiges Stettiner Tor – aber leider nur die Fundamente.

Pasewalk.Thomas Hoche schaut auf die großen Feldsteine: „Die Bauleute waren ziemlich bequem.“ Wahrscheinlich hatten sie beim Bau der Stettiner Straße 1953 keine Antennen dafür, dass sie da gerade auf die Fundamente eines der ehemaligen Stadttore gestoßen waren. Die Bauarbeiter machten es sich jedenfalls einfach und benutzten die großen Steine als Auflage für die Gasleitung. Doch die hat jetzt ausgedient. Sowohl die Leitungen im Erdreich als auch der Straßenbelag werden erneuert. Begleitend haben die Mitarbeiter des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege ein Auge auf das, was sich unter der Erde befindet.
Während sie graben, fegen und dokumentieren, erzählen sie. Denn die Zeit drängt, die Bauleute wollen weitermachen. Fotos, wie das Tor einmal aussah, gibt es keine. Dem Historiker Hugo Lemcke (1835 in Pasewalk geboren, 1925 in Stettin gestorben) ist es zu verdanken, dass es Zeichnungen gibt. Die fertigte er anhand von Unterlagen aus dem Stadtarchiv, die im Zweiten Weltkrieg verbrannten. Danach war das Stettiner Tor das prächtigste. Die Front, die zur Stadtseite zeigte, erinnerte an die Giebelhäuser in den Hansestädten. Nach Hugo Lemcke hatte es über der spitzbogigen Durchfahrt einen ansehnlichen Aufbau in Renaissanceform. Zur Feldseite hin löste dieser sich in einen Flachgiebel auf. Schon Lemcke bedauerte den Abbruch des Bauwerkes. Was wäre das heute aus Richtung Marktstraße kommend für ein Durchgang zu der sich dahinter befindenden Sparkasse und den Geschäften!
Wann das Tor abgerissen wurde, lässt sich nicht genau sagen, meint Stefan Rahde. Er vermutet zwischen 1873 und 1875. Als Wehrbauten hatten die Tore ausgedient. Auch Steuern ließen sich an ihren Eingängen nicht mehr eintreiben. Da die Stadt schon damals kein Geld hatte, riss man ab, was man nicht mehr brauchte. Stefan Rahde erinnert daran, dass die Stadtvertreter zu der Zeit auch den Antrag stellten, das Prenzlauer Tor zu entfernen. Daraus wurde glücklicherweise nichts. Der Theorie, dass die Tore so baufällig waren, dass sie abgerissen werden mussten, glaubt der Historiker Rahde wenig. „Die Tore hielten immerhin schon 600 Jahre durch“, meint er. Die Fundamente des Stettiner Tores fangen 2,30 Meter unter der Erdoberfläche an. Jetzt wird alles dokumentiert –und verschwindet dann unter der neuen Straße.

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×