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Penkun braucht wieder ein Armenhaus

Derzeit nicht gerade ansehnlich ist das Penkuner Spital aus dem Jahre 1755. Das Haus wird jetzt saniert. [KT_CREDIT] FOTOs: R. Marten
Derzeit nicht gerade ansehnlich ist das Penkuner Spital aus dem Jahre 1755. Das Haus wird jetzt saniert. [KT_CREDIT] FOTOs: R. Marten

Von Rainer Marten

Böse Zungen behaupten, das ist ein Zeichen der Zeit! Denn in Penkun wird das städtische Armenhaus wieder hergerichtet. Und es soll sogar einmal einen sozialen Zweck erfüllen!

Penkun. Die Türen und Fenster des Penkuner St. Georgs-Hospitals sind seit rund zwei Jahrzehnten vermauert. Kein Mensch betrat mehr das Gebäude. Denn Armenhäuser wurden nicht gebraucht. Nun allerdings machen die Penkuner den Spinnen und Fledermäusen das Gebäude streitig: Zum wiederholten Mal ist Bauhistoriker Torsten Rütz vor Ort, klopft kleine Putzflächen ab und ermittelt akribisch die alte Baustruktur und Raumaufteilung. Über Schutt und Staub hinweg steigt, entzückt über dieses Gebäude, auch Konservatorin Bettina Gnekow, Landesdenkmalpflegerin im Landesamt für Kultur und Denkmalpflege in Schwerin. Dieses Haus, regional bedeutsam? Nein, antwortet sie prompt. „Wir müssen den Bogen weiter spannen: landesgeschichtlich bedeutsam!“, sagt sie. In ihrer Stimme klingt viel mit. Was sich vor dem einstigen Stadttor Penkuns aus dem Jahre 1755 bis heute erhalten habe, sei sozialgeschichtlich außerordentlich wertvoll.

 

„Armenhäuser des 18. Jahrhunderts haben sich nur in einigen Hansestädten, in Wolgast und Pasewalk und eben hier in Penkun erhalten“, sagt sie. Es sei eines der wenigen Häuser, das an seinem ursprünglichen Standort erhalten ist – „ein wichtiges Zeugnis des Gemeinwesens und der kleinstädtischen Siedlungsstruktur“. Das allein ist es der Konservatorin wert, sich in ihrer Behörde für die Bereitstellung beachtliche Sanierungsgelder einzusetzen. Bürgermeister Bernd Netzel wusste das ausdrücklich zu schätzen. Für erste Sicherungsarbeiten stehen 198250 Euro Landesmittel und Gelder der Deutschen Stiftung für Denkmalschutz zur Verfügung. Noch in diesem Jahr sollen davon die Dacheindeckung, die Fenster und Türen sowie Arbeiten an der Fassade finanziert werden. „Natürlich sind wir uns im Klaren, dass dann noch einmal rund 200000 Euro benötigt werden, um die Innenrenovierung vollziehen zu können“, sagt der Bürgermeister. Danach wird dieses Gebäude „Armenhaus“ nur noch genannt, wenn
es um die Vergangenheit geht. In dem Gebäude wird, der historischen Nutzung folgend, der städtische Pflegedienst eine Hausgemeinschaft für vier bis zwölf unterstützungs- oder pflegebedürftige Senioren einrichten. Der Pflegedienst selbst wird einen Teil der Sanierungskosten übernehmen. Die Hauptsumme allerdings muss noch eingeworben werden.

Wann die alte, neue Nutzung beginnen wird – das ist derzeit noch völlig offen. Viel Arbeit vor allen Dingen auch für Diplomingenieurin Doreen Geuther vom Büro Neuhaus & Partner. Die Stadtplanerin hat die ersten erforderlichen Bauarbeiten unter Beibehaltung der historischen Gebäudestruktur aufgelistet. Eine Wahnsinnsarbeit steht bevor!

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