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Probelaufen im Kinderzimmer

Jasmin (von rechts), Jette, Marie und Zita gehören zu den jüngsten Models beim Pasewalker Laufstegfest.  Foto: A. Stegemann
Jasmin (von rechts), Jette, Marie und Zita gehören zu den jüngsten Models beim Pasewalker Laufstegfest. Foto: A. Stegemann

VonAngela Stegemann

Zwei Stunden lang verwandelt Pasewalks
Neuer Markt sich am 3. Mai in einen Laufsteg. Auf Profi-Models verzichten
die Geschäfte. In die Rolle schlüpfen ganz normale Leute.

Pasewalk.Die Socken passen gar nicht zu den kurzen Hosen. In die Haare könnte eine Strähne geflochten werden. Die Farben sind einfach cool. Diejenigen, die da so fachsimpeln, sind keine professionellen Models, auch wenn sie sich schon eine Menge von den „Richtigen“ abgeschaut haben. Die Hobby-Models heißen Jasmin, Jette, Marie und Zita. Sie sind zwölf Jahre alt und Schülerinnen der Pasewalker evangelischen Nikolai-Schule. Am 3. Mai sind sie für wenige Stunden Models. Für „Sport 2000“ führen sie Sportmode vor. Inhaberin Christin Rodewald hat zwar gesagt, was die Mädchen vorführen sollen. Aber ansonsten braucht sie gar nicht viel zu reden. Die Mädchen sind in ihrem Element.
Für Jasmin ist dieser 3. Mai ohnehin ein besonderer Tag. Sie feiert Geburtstag. Beim Laufstegfest sind Zita und sie bereits das zweite Mal dabei. Die Geschäftsinhaberin ist
Zitas ehemalige Nachbarin und fragte nach, ob das Mädchen nicht Lust hätte, beim Laufstegfest mitzumachen. Jasmin weiß noch heute, was sie im Vorjahr trug: ein grünes T-Shirt, eine kurze Hose und neongrüne Socken. Und dass sie mächtig aufgeregt war. Schließlich stehen dann Hunderte Leute am Laufsteg – und alle gucken einen an.
Am meisten haben alle Mädchen Angst zu stolpern. Deshalb hat Jasmin gemeinsam mit Marie schon mal in der Schulturnhalle das Laufen geübt. Auch das Kinderzimmer wird zum Laufsteg – wenn die Tür zu ist. Auch wenn die Eltern stolz sind, dass ihre Freundinnen und sie mitmachen, sehen müssen sie das Üben nicht, meint Jasmin. Jette aus Belling war im Vorjahr noch unter den Zuschauern am Laufsteg. „Aber Mitmachen ist schöner“, findet sie. So geht es auch Marie aus Groß Luckow.
Da nicht alle Mitschüler wissen, dass die Vier am 3.Mai mit über den Laufsteg schreiten, sind die Mädchen schon mächtig gespannt auf die Reaktionen. Friseurmeisterin Romy Straube erklärte sich bereit, die jungen Models aufzuhübschen.
Aber Ausstrahlung haben die Mädels ohnehin. Sie lachen gern und nehmen wahrscheinlich die Leute schon deshalb für sich ein. Für sie wäre das ohnehin die einzige Chance, einmal Model zu sein, meint Jasmin. „Denn wir werden nicht so groß wie ein richtiges Model sein muss, vielleicht höchstens noch Marie.“ Solche Regelungen in der Modebranche findet auch Zita ungerecht. Aber jede kann ja schließlich kein richtiges Model werden.

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