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Sie geht, um Seelen zu trösten

Nach elf Jahren übergibt Uta von Holtzendorf (rechts) die Leitung des Altenhilfezentrums Matthias Claudius in Strasburg an Annette Hojczyk. Seit Oktober wird sie in ihre neue Aufgabe eingearbeitet.
Nach elf Jahren übergibt Uta von Holtzendorf (rechts) die Leitung des Altenhilfezentrums Matthias Claudius in Strasburg an Annette Hojczyk. Seit Oktober wird sie in ihre neue Aufgabe eingearbeitet.

VonFred Lucius

Uta von Holtzendorff
kennt sie alle beim Namen – die 72 Bewohner des Altenhilfezentrums
Matthias Claudius in Strasburg. Jetzt nimmt
die langjährige Leiterin des Seniorenhauses ihren Hut. Doch von der Bildfläche verschwindet sie nicht.
Ihr Helfen geht in
eine neue Runde.

Strasburg.Die beiden betagten Damen sind ein wenig in Sorge. „Ist heute gar kein Sport?“, fragen sie Uta von Holtzendorff, die gerade über den Flur huscht. Die Leiterin des Strasburger Altenhilfezentrums kann sie beruhigen. „Doch, doch. Es steht doch auf dem Plan“, sagt sie und erklärt, dass Angebote wie Sport, Spiel, Unterhaltung oder Gesundheitstraining für die meisten Bewohner des Hauses wichtig sind und zum Tagesablauf gehören. Ändern wird sich dieser aber für Uta von Holtzendorff ab dem kommenden Monat. Dann übergibt sie die Heimleitung an Annette Hojczyk. Seit Mitte 2002 leitet die 59-Jährige das Strasburger Altenhilfezentrum im Walkmühler Weg. 72 Bewohner sind hier untergebracht, das Durchschnittsalter liegt bei 83 Jahren. „Nach einem Schwestern-Praktikum war mir klar, ich will in die Pflege“, erinnert sich die gelernte Bankkauffrau. Eine Ausbildung zur Altenpflegerin folgte, dann die Qualifizierung zur Pflegedienstleiterin. Als 2002 die Kinder aus dem Haus waren, sah sie sich der Aufgabe gewachsen, das Strasburger Senioren-Haus zu leiten. Bis 2010 hatte Uta von Holtzendorff die Pflegedienst- und Heimleitung inne. Seit Mitte 2010 kümmert sie sich um die Heimleitung, Sabine Theuer um die Pflegedienstleitung. „Dienstpläne für 30 Mitarbeiter, Korrespondenzen mit Ärzten und Kassen, Weiterbildung der Mitarbeiter, Personalwesen, Qualitätsmanagement – allein ist das kaum zu schaffen. Die Trennung ist sinnvoll“, ist Uta von Holtzendorff überzeugt.
Ärgern kann sich die Leiterin über Negativmeldungen zu Pflege und Altenheimen. „Da wird schnell verallgemeinert. Aber damit wird den älteren Leuten Angst gemacht, ins Heim zu ziehen. Viele haben doch aber keine andere Wahl“, weiß die 59-Jährige. Für sie ist daher ein persönliches Verhältnis zu den Bewohnern und deren Angehörige wichtig. Das bedeutet auch, so gut wie möglich über die Senioren Bescheid zu wissen. „Wenn man nicht ein großes Herz für alte Menschen hat, braucht man mit diesem Beruf nicht anzufangen. Es geht nicht, dies nur als Job abzuhaken. Da fühlen sich die Bewohner nicht wohl. Und das merkt man“, sagt sie.
Auch wenn jetzt der Abschied vom Strasburger Altenhilfezentrum naht, für andere Menschen wird Uta von Holtzendorff auch in Zukunft da sein. Im Hospizdienst und in der Krankenhausseelsorge will sie sich weiter engagieren. Für beides muss sie noch eine Ausbildung absolvieren. Mehr Zeit wird sie nun auch für die Strasburger Kirchgemeinde haben, in der sie seit Jahren aktiv tätig ist. Dass die künftige Heimleitung bei Annette Hojczyk in guten Händen liegt, davon ist sie überzeugt. Seit Oktober wird die Nachfolgerin eingearbeitet. „Ich bin sicher, dass Annette Hojczyk das Heim in meinem Sinne weiterführt“, sagt Uta von Holtzendorff.
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f.lucius@nordkurier.de

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