Nordkurier.de

Sie waren jung und ein gutes Kollektiv

Jutta Roggow aus Uhlenkrug zeigt alte Aufnahmen von ihren einstigen Mitarbeitern bei der Maschinen-Traktoren-Station (MTS) Krugsdorf sowie ihr Sozialversicherungsheft. Darin sind die Arbeitsjahre bei der MTS dokumentiert.  FOTO: F.Lucius
Jutta Roggow aus Uhlenkrug zeigt alte Aufnahmen von ihren einstigen Mitarbeitern bei der Maschinen-Traktoren-Station (MTS) Krugsdorf sowie ihr Sozialversicherungsheft. Darin sind die Arbeitsjahre bei der MTS dokumentiert. FOTO: F.Lucius

VonFred Lucius

Die ehemaligen Arbeitskollegen verlieren
die meisten schnell aus den Augen, wenn sie in Rente gehen. Für Mitarbeiterinnen der einstigen Maschinen Traktoren Station Krugsdorf gilt das nur bedingt. Es gibt nach wie vor regelmäßige Kontakt. Andere haben sich Jahrzehnte nicht gesehen.

Krugsdorf/Uhlenkrug.Jutta Roggow hat sich alles so schön ausgedacht und zurechtgelegt. Eine kleine Rede soll es schon sein, die die Uhlenkrugerin beim Treffen mit den damaligen Mitarbeiterinnen der Maschinen Traktoren Station (MTS) Krugsdorf halten will. An ihrem ehemaligen Arbeitsplatz, dem heutigen Schloss-Hotel, haben sich die Frauen getroffen. Doch schon nach drei Sätzen schießen Jutta Roggow die Tränen in die Augen. Die Emotionen überwältigen sie. „Die meisten haben sich nie aus den Augen verloren und immer noch Kontakt. Andere sehen sich jetzt aber nach 50 Jahren das erste Mal wieder“, erklärt die 75-Jährige, die das Treffen in Krugsdorf organisiert hat. Die Frauen kommen aus Pasewalk, Strasburg, Zerrenthin und aus Berlin.
Brunhilde Hartmann, einst Finanzbuchhalterin, ist mit 88 Jahren die Älteste. Warum es nach Jahrzehnten noch immer diesen Zusammenhalt gibt? Jutta Roggow hat darauf eine klare Antwort: „Für mich und die anderen war es die schönste Zeit. Wir waren ein gutes Kollektiv. Und wir waren jung“, sagt sie. Am 8. August 1955 hat sie als damals 17-Jährige in der im Jahr 1949 gegründeten MTS Krugsdorf angefangen – ungelernt, aber mit einem guten Zeugnis. Zehn Jahre – und damit am längsten von den Frauen – blieb die MTS ihr Arbeitsplatz. „Ich war Abrechnerin, zuständig für die Lohnabrechnung und auch für Planung“, erzählt Jutta Roggow.
Zur MTS zählten acht Brigaden mit Stammpersonal, Saison- und Schichtarbeitern, Brigadieren und Mechanikern, im Schnitt rund 20 Mitarbeiter. Stützpunkte hatte der Betrieb, in dem die Bauern landwirtschaftliche Maschinen und Traktoren zur Nutzung ausleihen konnten, auch in Pasewalk, Stolzenburg und Zerrenthin. „Ein Traktorist brachte manchmal fünf Zettel zur Abrechnung. Da haben wir dann bis in die Nacht gearbeitet. Und es wurde sich gegenseitig geholfen“, erinnert sich die Uhlenkrugerin. Ihr Lohn als Abrechnerin war leistungsabhängig von dem, was die Traktoristen geschafft haben. Im August 1965 endete für Jutta Roggow die Arbeit in der MTS. Die Landmaschinen gingen an die LPG. Die MTS wurden zu Kreisbetrieben für Landtechnik (KfL) mit reinen Reparaturaufgaben. Jutta Röggow arbeitete später 20 Jahre im Gemeindebüro, auch in der Post. Doch es bleibt dabei. Die schönste Zeit war für sie die bei dem MTS. Deshalb soll es, wenn alle gesund bleiben, ein weiteres Treffen geben.

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×