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Spannend: Auf sie wartet das Leben

VonRainer Marten

Der Kopf ist wieder frei! Die Geschenke sind sortiert. Das Geld ist gezählt. Jugend- weihe war gestern. Schon heute geht der Alltag weiter. Schule, Lernen. Gut auf das Leben vorbereiten, hatte
der Festredner gesagt.

Pasewalk.14 und schon erwachsen! Nein, bitte nicht so schnell... Aber ein Einschnitt, ein kleiner Kilometerstein auf dem Weg zum Erwachsenwerden war der Sonnabend schon. Festprogramm! Im Saal über 550 Eltern, Großeltern, Geschwister. Und schließlich sie, 76 Jugendliche, 14 oder 15 Jahre alt, die nur einen Gedanken im Kopf haben: Gleich wird mein Name aufgerufen. Gleich stehst du vorne auf der Bühne, und alle schauen, ob das Kleid nicht zu knapp ist und der Anzug perfekt sitzt. Blumen. Die Gratulation rauscht am Ohr vorbei. Lächeln, ja lächeln. Was hatte mir Gudrun Baganz, die stellvertretende Bürgermeisterin aus Pasewalk noch gesagt, als sie meine Hand hielt? Und der Landrat i.R. Volker Böhning? Der Landrat im Ruhestand hatte Gewichtiges gesagt in der Festrede: Es gibt nicht den einen richtigen Weg zu leben. Jeder und jede von euch ist anders. Erwachsen werden bedeutet auch, verantwortungsbewusst Entscheidungen treffen. Schließlich: Dieses Leben lohnt sich, nehme es an – auch wenn diese Gesellschaft nicht perfekt ist und der eine oder andere bedrückende Lebenssituationen erleben kann oder erleben wird. Zwischenzeitlich Musik von „Soundgulasch“, von der Musikwerkstatt Dreßler, Jenny Stage und Robert Pieper sowie eine Rezitation, vorgetragen von Susanne Seifert – „Flug des Lebens“. Draußen, im Freien, gratulierten die Eltern gerührt.

Zwei Tage vor der Feierstunde, als die Volkssolidarität Uecker-Randow, der Träger und Ausrichter der Feierlichkeiten in Pasewalk, mit allen den Einzug in den Saal und die Sitzordnung probte und die Erwachsenen leichten Stress verbreiteten, sprachen junge Torgelower, Pasewalker, Rollwitzer darüber, was sie mit dem Tag der Jugendweihe verbinden. Es sei nicht nur ein Tag der Geschenke, sondern auch ein Tag auf dem Weg zum Erwachsenwerden, meinten Lea Kerkhoff und Jennifer Anne Mietzner, Torgelow. So langsam kommt man in ein Alter, in dem die Berufsentscheidung wichtiger wird, meinten andere. Erik Roeseler, Pasewalk, hat den Geologen im Blick, Jan Rittner, Pasewalk, interessiert sich für ein Medizinstudium, und Marc Ebert, Rollwitz, sieht sich als Informationstechniker. Vielleicht, vielleicht auch nicht gehen diese Wünsche in Erfüllung. Und einer der Jungs sagt ganz locker: Das wird auch ein Tag, an dem ich Bier trinken darf – ohne das Mama meckert.

Wie wichtig dieser Tag ist, zeigt sich am Ende auch am äußeren Bild. Sonnabend, 5.40 Uhr, Lea Kerkhoff, Torgelow, ist da schon auf, um sich wenig später im Salon „Lifestyle“ stylen zu lassen. Den Jungs verschlägt es die Sprache, als Lea zum vereinbarten Treffpunkt an der Schafbockhalle kommt: „Lea, sonst mit glattem Haar und jetzt...“, sagt einer sichtlich staunend. Jennifer Anne Mietzner, Torgelow, legt etwa zeitgleich den Weg zum Salon „Kreativ“ zurück. Alles soll stimmen an diesen Tag. Innen und außen. Wie oft sie Läden aufgesucht und Kleider gewechselt haben, verraten die Mädchen nicht. Geheimtipp: Stettins Modesalons. Da gibt es immer etwas Passendes, verrät eine der jungen Damen.

Mit dem Begriff „Jugendstunden“ können die 14-Jährigen nichts anfangen. Ach ja, DDR... An den Festtag herangeführt wurden sie allerdings auch in regelmäßigen Treffen. Gelernt hätten sie dort, wie man erste Hilfe leistet. Auch in Berlin seien sie gewesen und hätten einen Tanzkurs absolviert...

Das also war die Jugendweihe 2013 im 123. Jahr nach der ersten weltlichen Feier, die einst Hamburger ausrichteten. Denn irgendwie muss der Schritt vollzogen werden. Symbolisch. Der Schritt vom Kind zum Erwachsenwerden.

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