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Sterben mit unseren Imkern auch unsere Bienen aus?

Sie haben beide viel für Natur und Tiere übrig: Torsten Ellmann (links), Vorsitzender des Pasewalker Imkervereins, sieht sich auf dem Storchenhof Papendorf Niskästen für Schwalben an, die Vereinsvorsitzender Jens Krüger baut.  FOT0: F. Lucius/dpa
Sie haben beide viel für Natur und Tiere übrig: Torsten Ellmann (links), Vorsitzender des Pasewalker Imkervereins, sieht sich auf dem Storchenhof Papendorf Niskästen für Schwalben an, die Vereinsvorsitzender Jens Krüger baut. FOT0: F. Lucius/dpa

VonFred Lucius

Die Imker der Region
sind besorgt: Es gibt immer weniger Bienenfreunde
und immer weniger Völker. Dabei werden die summenden Flieger dringend benötigt. Denn ohne Bestäubung würde es viele Früchte nicht geben. Der Imker Torsten Ellmann fordert: Leute, werdet
Imker!

Uecker-Randow.Ein Frühstück ohne Honig? Für viele Familien undenkbar. Doch nur noch 20 Prozent davon wird hier produziert. 80 Prozent des Honigs wird importiert. „Wir haben zu wenig Bienen. Und das nicht nur hier in der Region, sondern landesweit“, sagt Torsten Ellmann, Vorsitzender des Pasewalker Imkervereins und gleichzeitig Landesvorsitzender. Ellmann plädiert dafür, dass sich mehr Menschen diesem Hobby widmen und die Bedingungen für die Bienen verbessert werden. „Die Bestäubungsleistung der Bienen wird oft unterschätzt. Sie geht deutschlandweit in die Milliarden. Landwirte und Obstbauern haben dadurch einen Mehrertrag“, betont der Pasewalker Imker bei einem Vortrag auf dem Storchenhof Papendorf. Wenn Bienen fliegen, gibt es Torsten Ellmann zufolge eine Ertragssteigerung beim Raps um 20 Prozent, bei Äpfeln um 65 und bei Birnen sogar um 90 Prozent. 80 Prozent der Pflanzen seien auf Bestäubung angewiesen. Das heißt: immer weniger Bienen führen zu einer Verarmung der Kulturlandschaft.
Nicht nur Landwirte,
sondern auch Kleingärtner und Grundstücksbesitzer könnten die Imker unterstützen, indem sie pollenspendende Pflanzen anbauen. „Es muss nicht immer englischer Zierrasen sein“, sagt Ellmann. Auch die Städte und Dörfer könnten etwas dafür tun, dass es mehr blüht. Pasewalk beispielsweise sei eine bienenfreundliche Stadt. Mit den Landwirten in der Uecker-Randow-Region gebe es eine gute Zusammenarbeit. „Wichtig ist, dass man miteinander redet. Dann findet man auch einen Kompromiss. Wichtig ist Verständnis auf beiden Seiten für den jeweils anderen“, meint der Vereinsvorsitzende.
Das Förderprogramm für Blühflächen und Bienenweide werde gut angenommen. Hier werden pro Betrieb zwei Hektar gefördert, wenn es eine Zusammenarbeit mit einem Imker gibt, sagt Ellmann. Das Ackerschonstreifen-Programm werde hingegen nicht wie gewünscht genutzt. Da das Durchschnittsalter der Imker über 70 Jahre liegt, braucht man dringend Nachwuchs. „Aber eine Kiste hinstellen und Bienen rein – damit ist uns nicht geholfen“, betont Ellmann. Interessenten sollten sich einen Verein und dort Paten suchen. Bei Neu-Imkern werden 60 Prozent der Investitionen gefördert. Allerdings müssten auch einige Bedingungen erfüllt werden – beispielsweise ein Anfängerkurs.

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