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Suche nach abgestürztem englischen Bomber

Eine solche viermotorige „Halifax“ der britischen Royal Air Force war in der Nacht zum 21. April 1943 bei Pasewalk abgeschossen worden.
Eine solche viermotorige „Halifax“ der britischen Royal Air Force war in der Nacht zum 21. April 1943 bei Pasewalk abgeschossen worden.

Der Angriff von 339 britischen Bombern dreieinhalb Jahre nach dem Einmarsch der Wehrmacht in Polen war verheerend. Binnen weniger Stunden wurden in Stettin 1008 Wohnhäuser zerstört. Etwa 90 Prozent der Altstadt fielen in Schutt und Asche. Mindestens 585 Menschen – unter ihnen 89 Kinder – starben, 300 wurden schwer verwundet. Auf dem Rückflug wurden einzelne Angreifer von deutschen Nachtjägern verfolgt. Einer der Jäger war der deutsche Staffelkapitän Werner Hoffmann vom Nachtjagdgeschwader 5, der mit seiner zweimotorigen Messerschmitt vom damaligen Fliegerhorst Greifswald-Ladebow gestartet war.

Laut Luftwaffen-Unterlagen verfolgte Hauptmann Hoffmann gegen 0.45 Uhr zunächst einen britischen Bomber, den er bei Eggesin abschießen konnte. Kurz darauf machte ihn sein Bordfunker auf eine weitere Maschine aufmerksam, die vermutlich beschädigt im Tiefflug in südliche Richtung steuerte. Fünf Minuten später traf eine Salve des deutschen Jägers in nur 500 Metern Höhe die englische „Halifax“. Berichten zufolge soll die viermotorige Maschine nordöstlich von Pasewalk abgestürzt sein,etwa 500 Meter südlich des Gutes Borken.

Alle sieben Besatzungsmitglieder kamen ums Leben

Die Leiche des englischen Heckschützen Reginald Walter Lambert wurde in der Nähe eines kleinen Sees südlich des Landgutes aufgefunden. Der 19-Jährige hatte erst ein Jahr zuvor in London Colney, einem kleinen Ort nahe St. Albans in Hertfordshire, geheiratet. Nun, 68 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges, suchen Angehörige des Sergeanten die genaue Absturzstelle seiner Maschine. Lamberts Neffe, Adrian Butterfield, bat die niederländische Stiftung CRASH40-45 (Crash Research in Aviation Society Holland) um Hilfe bei der Recherche, an der sich nun auch der Nordkurier beteiligt.

„Alle sieben Besatzungsmitglieder, einschließlich Pilot T. S. Lea, kamen seinerzeit ums Leben“, sagt Christian Koenig, der sich seit 25 Jahren nebenberuflich als Flugzeugarchäologe mit dem Schicksal abgestürzter Flugzeugbesatzungen in Europa befasst und inzwischen 40 Vorfälle aufklärte. In zehn Fällen konnten sogar die Wracks der Maschinen geborgen werden.

Keine Bergung bei Gut Borken

Im Falle des bei Gut Borken gecrashten viermotorigen Bombers werde jedoch definitiv keine Bergung angestrebt, versichert der 40-Jährige. Es gehe den Angehörigen lediglich darum, ein schlimmes Kapitel ihrer Familiengeschichte abzuschließen. Wenn Menschen die Gelegenheit bekämen, an den Ort des Unglücks zurückzukehren, fänden sie oft endlich ihren inneren Frieden.

Alle Anfragen blieben jedoch bislang erfolglos. Der damals beteiligte deutsche Nachtjäger Werner Hoffmann konnte nicht mehr befragt werden. Er starb im Juli 2011 im Alter von 93 Jahren. Auch im Stadtarchiv Pasewalk ließen sich keine Hinweise auf jenen Vorfall im April 1943 finden. Möglicherweise gebe es ja im Landesarchiv Greifswald noch alte Kirchenbücher, die den Tod der britischen Bomber-Besatzung dokumentierten, die später auf dem britischen Ehrenfriedhof in Berlin bestattet worden seien, sagt Koenig. „Vor allem aber setzen wir auf noch lebende Zeit- zeugen in der Region.“

Der Nordkurier bittet Anwohner, die sich an Ereignisse im Zusammenhang mit dem Absturz erinnern können, um Hinweise.

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