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Tonnenweise Papier – auch davon kann man leben

Dieser Container fasst 10,5 Tonnen Papier.  FOTOS: F. Lucius
Dieser Container fasst 10,5 Tonnen Papier. FOTOS: F. Lucius

VonFred Lucius

Von dem leben, was
andere wegschmeißen?
Harald Brandt in Strasburg beweist, dass das geht.
Er betreibt hier als Einzelunternehmer
einen Papierhandel. Vor allem im Winter brummt das Geschäft. Warum denn das?

Strasburg.Nur noch ein paar Zentimeter auf der linken Seite. Dann ist der riesige Container voll mit Papier. „10,5 Tonnen passen da hinein. Sind die erreicht, wird der Container abgeholt und gleich ein neuer gebracht“, erklärt Harald Brandt. Der Strasburger betreibt im Wismarer Weg einen Papierhandel. Und das seit drei Jahren – mit zunehmendem Erfolg. Im Juli 2010 hat er als Franchise-Nehmer für die Papierbank begonnen, heute ist er in eigener Regie tätig. Seit dem Start hat sich die aufgekaufte Papiermenge vervierfacht. „Ich hatte gedacht, dass mir die Hartz-IV-Bezieher die Bude einrennen. Das ist aber nicht so. Von zwei Knirpsen, die regelmäßig mit dem Handwagen kommen, bis zum Mercedes-Fahrer – die Bandbreite der Kunden ist breit“, erzählt Harald Brandt. Kleinstmengen an Papier und Pappe, aber auch größere Mengen mit Hunderten Kilo werden angeliefert. „Vor allem die Älteren haben das alte Sero-Sytem noch im Kopf. Den Jüngeren muss man es noch beibringen“, meint der Strasburger. Schulklassen – wie zum Anfang – würden jetzt kaum noch Papier bringen. Acht Cent je Kilo bekommen die Kunden, die nicht nur aus Strasburg kommen. Diese Summe kann Harald Brandt zahlen, weil er mit dem Metallhandel und Containerdienst Ramm in Prenzlau zusammenarbeitet. Und dieser wegen der großen Mengen einen günstigen Preis mit der Papierfabrik Schwedt aushandeln kann. Papier ist aber nicht das Einzige, was Harald Brandt aufkauft. Er nimmt auch Elektro-Schrott – keine Fernseher –, Schrott, Folien und Textilien an. Für letztere werden unsortiert zehn Cent gezahlt. „Die gehen an eine Firma in Wolfen und werden dort sortiert. Gute Sachen werden ins Ausland verkauft, auch Dämmmaterial entsteht daraus“, berichtet der Strasburger. Der Elektro-Schrott wird von einer Firma in Friedland aufgekauft. Glas kann er nicht annehmen, weil er dafür keinen Abnehmer hat. Vor allem im Winter brumme das Geschäft mit dem Papier. „Da räumen die Leute wohl mehr auf“, vermutet Harald Brandt. Festgestellt hat er auch, dass bei gleicher Menge mehr Leute ihr Papier hier abgeben. Früher habe der ein oder andere sein gebündeltes Paket dem Nachbarn mitgegeben. Jetzt wolle man sich den Euro selber verdienen.

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