Nordkurier.de

Viele Kinder machen richtig Stress

In der Mittagsstunde verdrückt sich die Enten-Mama mit ihrem Nachwuchs in den Stall. Deshalb war sie gestern ganz schön sauer, als sie in ihrer Ruhe gestört wurde und zum Foto-Termin hinaus ins Freigehege musste. Rechts: Und das sind die stolzen Besitzer: Martin Munsch, Ehefrau Andrea und Sohn Felix. Auch Tochter Lea freut sich, dass jetzt so viele Enten den Hof bevölkern.  FOTOS: R. Marten
In der Mittagsstunde verdrückt sich die Enten-Mama mit ihrem Nachwuchs in den Stall. Deshalb war sie gestern ganz schön sauer, als sie in ihrer Ruhe gestört wurde und zum Foto-Termin hinaus ins Freigehege musste. Rechts: Und das sind die stolzen Besitzer: Martin Munsch, Ehefrau Andrea und Sohn Felix. Auch Tochter Lea freut sich, dass jetzt so viele Enten den Hof bevölkern. FOTOS: R. Marten

VonRainer Marten

Wie schafft sie das nur?
33 Kinder hüten ist eine Lebensaufgabe! Eine Boockerin hat derzeit
„alle Flügel voll zu tun“.

Boock.Eigentlich ist Mittagsruhe. Da zieht sich jeder in seine Wohnung zurück. Martin Munschs Flugentendame, Hüterin von 33 Enten- und Hühnerküken, hat das ebenfalls getan. Nun zischt sie, weil diese Stallruhe gestört wird – für ein Foto. Die Ente muss hinaus ins Freigehege, Martin Munsch führt sie mit sanftem Druck hinaus. Das Zischen verstehen die Menschen nicht, aber ihre 30 Enten- und die drei Hühner-Küken sehr gut: Fremde sind auf dem Hof! Bleibt alle dicht beieinander. Die Kleinen bilden einen dichten Pulk, scharen sich um die Mutter und tippeln vorsichtig ins Freie. Das Bild wird geschossen.
Seit vier Jahren sind die Munschs Boocker. Früher lebten sie in Pampow. Eine Kleintierhaltung gehörte immer zur Familie. Martin und Andrea Munsch sind so aufgewachsen. Jetzt erleben das auch die Kinder Lea (11) und Felix (6). In den vergangenen Jahren wurden die Jungtiere bei einem regionalen Geflügelhändler gekauft und dann aufgezogen. „Aber 4,80 Euro für eine einen Tag alte Ente – das ist uns nun doch zu teuer“, erzählt Martin Munsch, der eine Anstellung auf Zeit als Gemeindearbeiter hat. Für 4,80 Euro bekommt man ja schon im Discounter einen halben Entenbraten. Die Familie setzt deshalb in diesem Jahr auf die Flugenten.
„Im vergangenem Jahr haben wir zehn Enteneier von Lutz Rechenberg aus Pampow erhalten. Leider schlüpfte nur der Erpel. Zwei Enten haben wir dann hinzugekauft. Die beiden Enten begannen fast zeitgleich zu brüten – mit dem nun bekannten Resultat. „Aber das ist noch nicht alles. Wir besitzen zusätzlich Laufenten. Eine Laufente brütet derzeit auf zwölf Eier, eine Glucke auf zehn weitere Laufenten-Eier“, erzählt Andrea Munsch. Wenn die alle schlüpfen, dann wird 2013 zu einem echten Entenjahr.
Allerdings kann noch allerlei passieren. Die Kücken werden deshalb erst im Herbst gezählt, heißt es dort. Auch die Entenmutter musste einen ersten Verlust hinnehmen, deutet Andrea Munsch an. Vermutlich erdrückt. Morgens jedenfalls war ein kleines Entlein tot. Nicht ausschließen kann man die vielen anderen Gefahren: Marder, Katzen, Elstern, Habicht. Schließlich: der Fuchs...
Fragt man, wo am Ende all die vielen Tiere bleiben, antwortet Andrea Munsch sehr kurz: In der Truhe! Die Futter- und Mastzeit beträgt etwa sechs Monate, dann landet der erste Braten auf dem Tisch. „Sehr gerne fertigen wir auch Spikbrüste aus den Entenbrüsten und den Keulen an. Beides wird zehn Tage in Salz gelegt, dann gewässert und in den Rauch gehangen. Drei- bis fünfmal wird geschmokt, dann ist alles fertig“, erzählt sie.

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×