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Was bleibt, sind 4500 Tonnen Bauschutt

Innerhalb von drei Tagen hat der große Abrissbagger den Plattenbau niedergemacht. Gerade einmal zwölf Jahre lang wurde die einstige Kinderkombination als solche genutzt.  FOTOs: A. Stegemann
Innerhalb von drei Tagen hat der große Abrissbagger den Plattenbau niedergemacht. Gerade einmal zwölf Jahre lang wurde die einstige Kinderkombination als solche genutzt. FOTOs: A. Stegemann

VonAngela Stegemann

Wer noch einmal die Reste der ehemaligen Kinderkombination in der Pasewalker Oststadt in Augenschein nehmen will, der muss sich beeilen. Der Abrissbagger hat sein Werk fast vollendet.

Pasewalk.Wenn der gelbe Bagger seine Arbeit erst einmal aufgenommen hat, dann geht alles ganz schnell. Nach drei Tagen ist fast nichts mehr zu sehen. Der Plattenbau, zu DDR-Zeiten Kinderkombination 2 (Kiko II) genannt, war einst die größte der Stadt. Mehr als 300 Kinder gingen dort täglich ein und aus. Auf der einen Gebäudeseite war der Kindergarten, auf der anderen die Kinderkrippe.
Dass die Einrichtung in der Robert-Koch-Straße 6 A einmal eine gewisse Bedeutung für die Stadt gehabt haben muss, merkten selbst die Mitarbeiter der Feldberger Abrissfirma Otto Freerk, wenn Leute am Zaun standen und berichteten, dass sie dort einmal Kita-Kind oder Erzieher waren.
Zuletzt konnte man unter dem Abrissbagger noch den Namen des Jugendklubs lesen: „Happy Together“. Dieser war dort bis zur Schließung des Gebäudes untergebracht. Zusammen glücklich zu sein, dass traf wohl an vielen Tagen auf die Kinder zu, die täglich in die am 30. August 1980 eröffnete Einrichtung gingen.
Nach der Wende sanken die Geburtenzahlen, die Kinderkombination wurde nicht mehr gebraucht. Pasewalks damalige Sozialamtsleiterin Gudrun Baganz kann sich noch gut an den Wirbel erinnern, den der damalige Beschluss der Stadtvertreter, die Einrichtung zu schließen, auslöste. „Das war für einen DDR-Bürger zur damaligen Zeit unvorstellbar“, sagt sie. Im Archiv der Stadt recherchierte sie die Daten noch einmal nach. Da ist nachzulesen: Am 2. Juli 1992 beschlossen die Stadtvertreter, dass die Einrichtung zum 30.September geschlossen wird. In dem Beschluss sind insgesamt 280 Plätze aufgeführt, von denen die Stadt sich trennt. Letzte Leiterin des Krippenteils war Marianne Moschell. Gleichzeitig wurde in dem Beschluss aber auch noch das Aus für eine andere Einrichtung besiegelt: Der Kinderkrippe 2 an der Prenzlauer Straße zum 31.August. Diese ist heute das Hotel „Am Park“.
Von der Kiko II wird nach Pfingsten nur noch ein großer Schuttberg zu sehen sein. „Wir sind schnell“, meint Bauleiter Dietmar Namokel. Ab Mittwoch soll das Abfahren des Betons beginnen. Rund 4500 Tonnen werden es wohl werden, schätzt er. Der Kita-Schutt bleibt in der Nähe. Er wird zerkleinert und dann in die Fundamente von Windrädern eingebaut. Anfang Juni soll von der einstigen Kiko dann nichts mehr übrig sein. „Ein bisschen Wehmut ist schon dabei“, gesteht selbst der Bauleiter ein. „Wir reißen ab und in den Kommunen fehlen schon jetzt die Plätze.“
Aber mehr als eine Million Euro zur Sanierung hätte die Stadt nicht gehabt. Und was ist, wenn in ein paar Jahren die Kinderzahlen wieder zurückgehen?
Ein Trostpflaster gibt es aber noch für die ehemaligen Erzieherinnen. Da der Wunsch geäußert wurde, dass sich alle noch einmal sehen, organisiert unsere Zeitung einen Lesertreff. Ein genauer Termin wird noch bekannt gegeben. Dann können sich all jene melden, die dabei sein möchten.

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