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Wenn der Uropa nicht mehr aus dem Krankenhaus kommt

Die Schüler der Klasse 5c der Pasewalker Europaschule Arnold Zweig beschäftigten sich mit dem Thema Trauer und Tod. Zum Abschluss des Projektes fertigten sie Infotafeln an.  Foto: R. Nitsch
Die Schüler der Klasse 5c der Pasewalker Europaschule Arnold Zweig beschäftigten sich mit dem Thema Trauer und Tod. Zum Abschluss des Projektes fertigten sie Infotafeln an. Foto: R. Nitsch

Von Rita Nitsch

Für Kinder sollte der Tod kein Tabuthema sein. Menschen sollten sich so früh wie möglich damit beschäftigen, findet der Hospizdienst Uecker-Randow und geht ungewöhnliche Wege.

Pasewalk. Peter war immer ein aufgeweckter Junge. Bis er eines Tages über Kopfschmerzen klagte. Und dann kam er nicht mehr zur Schule. Nie wieder. Die Mediziner im Krankenhaus stellten einen Hirntumor fest. Eines Morgens kam der Lehrer in die Klasse und sagte: „Peter kommt nicht wieder.“ Die Worte sterben oder Tod wurden nicht ausgesprochen…. So oder ähnlich könnte auch die Situation sein, wenn ein Schüler in der Uecker-Randow-Region stirbt. Doch dass Kinder mit dem Thema Tod und Trauer ganz gut umgehen können, haben Kati Schröder Fechner, Koordinatorin des Hospizdienstes Uecker-Randow, und Katrin Matern, Hospizbegleiterin, an der Europaschule Arnold Zweig in Pasewalk erfahren.

 

Die Klassenlehrerin der 5c, Karin Scheffler, hatte die Mädchen und Jungen gut auf die Projektstunden vorbereitet. Trotzdem herrschte an diesem Vormittag eine besondere Stille im Klassenraum. Die Schüler saßen im Kreis. In der Mitte brannten Kerzen. Ein Engel und eine Wachsrose auf rotem Tüll vervollständigten das Ambiente. Die Frauen vom Hospizdienst erzählten von ihrem Ehrenamt und der Begleitung von Sterbenden und deren Angehörigen. Mancher Schüler musste auch schon Abschied nehmen von einem lieben Menschen. Die Erinnerungen daran sind bis heute nicht verblasst. So kullerten bei Maximilian Steuczloff plötzlich die Tränen. Er dachte an seinen Uropa. Als er im Sterben lag, brachte die Familie dem Hobbyimker Bienenwachskerzen ins Krankenhaus, damit er noch einmal den Duft genießen konnte.

Charline Drosten erzählte über ein Ritual: „Als meine Oma gestorben ist, wurde das Fenster weit geöffnet, damit die Seele gen Himmel steigen kann, erzählten mir die Erwachsenen.“ Philipp Menz konnte sich durchaus vorstellen, dass er schon einmal als Ritter oder Schmied gelebt haben muss.

„Wenn wir über den Tod reden, nehmen wir das Leben bewusster wahr“, sagte Kati Schröder Fechner. Auch für Kinder sollte das kein Tabuthema sein. Die beiden Frauen machten auch deutlich, dass es aus ihrer Sicht viele Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die nicht zu erklären sind. Den Kindern gaben sie mit auf den Weg, so unbeschwert zu bleiben, wie sie sind, und ihr „Gastspiel“ auf der Erde zu genießen. Doch mit dem Reden über Tod und Trauer war es an diesem Tag nicht getan. Die Fünftklässler fertigten vier kleine Infotafeln zu dem Thema an, um auch die älteren Schüler und Lehrer über die Hospizarbeit zu informieren. Wenn andere Schulen Interesse an der Thematik haben, können sie Kontakt zum Verein aufnehmen:Telefon 03973 228777.

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