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Wenn doch ein Millionärkäme...

Die neue Gutsherrin Carolin Huder im ehemaligen Gutsverwalterhaus, wo bald Zimmer zum Übernachten einladen. Hinter dieser Eisentür befand sich einst die Lohnstelle, durch das Fenster in der Tür wurde der Lohn an die Gutsarbeiter ausgezahlt.
Die neue Gutsherrin Carolin Huder im ehemaligen Gutsverwalterhaus, wo bald Zimmer zum Übernachten einladen. Hinter dieser Eisentür befand sich einst die Lohnstelle, durch das Fenster in der Tür wurde der Lohn an die Gutsarbeiter ausgezahlt.

Von unserer Mitarbeiterin
Gabriele Heyden

In Neuensund befindet
sich auf acht Hektar eine denkmalgeschützte Gutsanlage mit Lenné-Park, die nach langem Dornröschenschlaf
nun zu Leben erwacht. Seit Februar 2012 gibt es neue Gutsbesitzer. Und die haben eine Menge vor.

Uecker-Randow.Auf Radler, die den Haff-Tollensesee-Radweg in Angriff nehmen, wartet auf der Hälfte der Strecke von Ueckermünde nach Neubrandenburg eine schöne Überraschung: der Gutshof Neuensund. Diese im 18. Jahrhundert erbaute und heute unter Denkmalschutz stehende Anlage lebt seit einem Jahr wieder auf. Lange Zeit dauerte die Suche nach einem Käufer. Der ist nun gefunden, oder besser die, denn drei Eigentümer hat das Gut seit Februar 2012. Die Kulturmanagerin Carolin Huder, der Buchhändler Axel Schumbrutzki und der Architekt Daniel Pöhner trauen sich, aus dem einstigen Gut mit zwei riesigen Stallungen, einem Kornspeicher, dem Gutsverwalterhaus und dem Gutshaus selbst einen Ort der Kultur, Feste und Begegnungen zu machen.
Die schöne Überraschung für die Radfahrer ist ein Biergarten, der bereits im vergangenen Jahr ab Ostern zur Rast einlud. Auch in diesem Jahr können die Pedalritter wieder auf dem Gut rasten. Ab Mai wird täglich von 9 bis 20 Uhr zum Verweilen eingeladen. „Mit unkonventionellen Ideen wollen wir zusammen mit Menschen aus der Region und unseren zukünftigen Gästen aus aller Welt den Gutshof zu neuem, familienfreundlichem, gemeinschaftlichem, naturnahem und gesundem Leben erwecken“, sagen die Gutsbesitzer. Die Menschen aus dem Dorf haben bereits bewiesen, dass sie gerne mit Hand anlegen. „Wir haben sehr große Unterstützung aus dem Dorf“, sagt Carolin Huder. Im Mai 2012 beispielsweise ging es daran, die vom Landschaftsarchitekten Peter Joseph Lenné gestaltete Parkanlage hinter dem Gutshaus aufzuräumen. „30 Leute aus dem Dorf haben geholfen“, erzählt die neue Gutsherrin. Bekannte hätten gemeint, dass sie es schwer haben werden, als Großstädter in dem Dorf angenommen zu werden. Das Gegenteil hätten sie erfahren. Mittlerweile haben zwei Dorfbewohner eine Arbeit auf dem Gut gefunden. Die guten Geister vom Gut Neuensund heißen Isolde Bruhnke und Frank Kalweit. Etliche Veranstaltungen hat es schon im ersten Jahr gegeben. „Die Rixdorfer Perlen waren ein toller Erfolg und auch der Tanzabend“, erinnert sich Isolde Bruhnke. Sogar ein Film wurde auf dem Gut gedreht. Regisseur Robert Bittner hat in Neuensund genau den Gutshof gefunden, den er für seinen Kurzfilm gesucht hat. Und er versprach, dass die Premiere im Gut Neuensund stattfindet. Das wird gehalten. Im Frühsommer soll der 45-minütige Film „Sommerkinder“ in Neuensund erstmals gezeigt werden.

Sie wollten eigentlich
einen Bauernhof
Wenn alles klappt, der Bauantrag bald beschieden ist, dann kann ab Sommer auch auf dem Gut übernachtet werden, nicht nur im Heu, die Variante bleibt den Romantikern erhalten, sondern in schönen Gästezimmern im ehemaligen Verwalterhaus. Wo einst Tiere eingestallt waren, sollen Ferienwohnungen entstehen. Auch eine Mosterei wird es geben, erzählt Carolin Huder. Interessenten für die Ferienwohnungen, die als Eigentumswohnungen verkauft werden sollen, gibt es bereits in Berlin.
Die Zukunft des Gutshauses ist noch mit einem Fragezeichen versehen. „Es ist so groß, wir wissen momentan noch nicht, was wir daraus machen sollen. Vielleicht kommt ja ein Millionär vorbei, der sich des Gebäudes annimmt“, scherzt sie. Auf alle Fälle soll die Sicht auf den Gedenkstein im Gutspark wieder freigemacht werden. Denn der Erbauer des Gutshofes, Hans Anton Joachim von Arnim (1754 bis 1821), konnte von seinem Schlafzimmer aus auf diesen Stein blicken. Jener hatte 1785 Helene Carolina Eleonore von Rieben geheiratet und mit ihr vier Söhne und sechs Töchter bekommen. Einer der Söhne, Ernst von Arnim, starb 1813 18-jährig im Napoleonischen Befreiungskrieg. Der Stein erinnert an ihn. Viele Geschichten aus vergangenen Zeiten können Carolin Huder, ihr Partner Axel Schumbrutzki und ihr Bruder Daniel Pöhner erzählen. Und auch die, wie sie sich im November 2011 in diese Gutsanlage verliebt haben. „Eigentlich suchten wir einen Bauernhof. Ein Freund erzählte uns, dass in Neuensund ein Gut zu verkaufen ist. Wir fuhren hin. Es war um uns geschehen.“
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gutneuensund

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