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Wenn Europa ruft, kommen viele erst gar nicht

VonAngela Stegemann

Einen Tag lang setzten sich an der Kreis-Berufsschule künftige Fleischer, Bäcker, Verkäuferinnen und Konditoren mit Europa auseinander. Doch der Aktionstag scheint nicht
alle Berufsschüler vom Hocker zu reißen:
Sie bleiben zuhause.

Pasewalk.„Europaschule“. Das Schild ist das modernste an dem alten Berufsschulgebäude in Pasewalk. Manchmal kommen polnische Berufsschüler. Doch einmal jährlich, da rückt Europa in den Mittelpunkt. Kein üblicher Unterricht. Stattdessen ist zunächst Sport angesagt. Doch wäre Europa Bewegung, dann würde es um die Pasewalker Berufsschul-Zweigstelle eine Riesenbogen machen. Sich zu bewegen, dazu haben die meisten keine Lust. Rund 100 junge Leute lernen an der Schule. Sie wollen Konditoren, Bäcker, Fleischer, Fachverkäufer Bäcker oder Fachverkäufer Fleischer werden. Zwei Klassen belegen junge Leute, die ein berufsvorbereitendes Jahr absolvieren. Aus unterschiedlichen Gründen haben sie keinen Schulabschluss geschafft, sollen jetzt zur Berufsreife geführt werden.
Rund 20 Jugendliche kamen erst gar nicht, als sie vom Europa-Aktionstag erfuhren, erzählt Sidonie Siebert von der kreislichen Berufsschule. Dem Rest schien die Aktion dann aber überwiegend doch noch Spaß zu machen. Sportlehrer Dietmar Schünemann stellte ein kleines Programm zusammen: Federball, schwedischer Handball, Dreisprung. Auch die acht Lehrer bildeten eine Mannschaft. Da ging es nicht groß um Siege. Denn in den Bäcker- und Fleischerklassen sind die Jungen in der Überzahl.
Lieber als beim Sport hantierten die Schüler offenbar in ihren Fachkabinetten. Denn auch dort ging es europäisch zu. Die Fleischer stellten pommersche Frikadellen her, die Bäcker dänisches Spritzgebäck. Im berufsvorbereitenden Jahr entstanden Salate nach italienischer Art. Die künftigen Fachverkäufer probierten verschiedene Rezepte mit Blätterteig aus.
Nico Bornkessel, der im ersten Lehrjahr Bäcker lernt, scheint sich noch ein wenig mit seinem künftigen Beruf anfreunden zu müssen. Robin Siebert, ebenfalls im ersten Ausbildungsjahr, lässt da schon mehr Freude erkennen. „Mir macht im Prinzip alles Spaß“, sagt er. Europaweit denkt er eigentlich nicht. Er lernt beim Pasewalker Bäcker Kurzweg. Dort fühlt er sich wohl, dort hofft er nach der Ausbildung Arbeit zu bekommen.
Nebenan sind die künftigen Backwaren-Fachverkäuferinnen Nancy Lehmann und Lisa Zerbe der realen Arbeitswelt schon näher. Sie befinden sich im dritten Lehrjahr. Im Sommer müssen sie in Prüfungen beweisen, was sie gelernt haben. Der Ausbildungsbetrieb der Mädchen ist der Lila-Heimatbäcker. Dort wurde bereits signalisiert, dass die beiden nach ihrer Ausbildung in der Firma gebraucht werden.
Wer Lust hat und sich im Ausbildungsbetrieb und in der Schule anstrengt, der hat gute Chancen, in der Region einen Job zu bekommen, sagt Sidonie Siebert. Fachverkäufer und Fleischer werden gesucht, auch Bäcker. Wer hier dann doch keine Arbeit bekommt, hätte auch in Hamburg oder in Lüneburg Raum Chancen. „Da habe ich in der Zeitung gerade Annoncen gelesen“, erzählt die Fachfrau.

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