Februar 15, 2012
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Gesundheit von Rainer Marten

Wer nicht lesen kann, darf nicht Blut spenden?

Roland Jorke spendet seit Jahren Blut. Doch jetzt wird ihm angedeutet, dass man ihn eigentlich nicht will. Er hat eine Lese-Rechtschreib-Schwäche.

Roland Jorke
Roland Jorke spendete bislang problemlos Blut. Doch jetzt will ihn keiner mehr.
Foto: Rainer Marten
Uckermark (rm)  

Ronald Jorke ist noch immer wie vor den Kopf gestoßen. Und so richtig glauben will er noch immer nicht, was ihm passierte. „Überlegen Sie sich, ob Sie künftig überhaupt Blut spenden möchten…“ Genau diese Aussage soll ihm gegenüber eine Mitarbeiterin des Instituts für Transfusionsmedizin Neubrandenburg geäußert haben, schilderte er der Redaktion. Der Grund: Jorke soll eine Behinderung haben. Der Fakt ist aber: Er ist Legastheniker, ein Mensch mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche.

 

Blut spenden, das soll nicht mehr gehen. Nicht mehr? Seit den 90er-Jahren bis jetzt hat er nachweislich mindestens 13-mal Blut gespendet, wie aus seinem Spenderausweis hervorgeht. Seine Spendenbereitschaft entstand im Zusammenhang mit seinem Hobby. Jorke ist Motorradfahrer; er weiß, dass man als Verkehrsteilnehmer vielleicht auch einmal auf die Spende anderer angewiesen ist.

 

Wer nicht lesen kann, sei eben dumm und solle nicht spenden

 

„13-mal“, so erzählt er, „gab es überhaupt keine Schwierigkeiten.“ Aber jetzt! Blutspender, so erläutert er, müssen vor einer Spende einen Fragespiegel beantworten. „Hinterfragt werden Krankheiten, darunter Aids und Hepatitis A und B, Drogenkonsum oder auch Operationen, die man hinter sich hat“, erklärt er. Da er als Legastheniker die Fragen nicht lesen kann, hat in der Vergangenheit diese Aufgabe seine Frau übernommen, sie hat die Fragen gestellt, er hat sie dann beantwortet.

 

Das habe über Jahre gut funktioniert. Beim jüngsten Blutspendetermin allerdings wurde diese Verfahrensweise nicht anerkannt. Man habe Bedenken, hieß es vonseiten des Blutspendedienstes. „Bedenken dahin gehend, dass ich im Beisein meiner Frau falsche Angaben tätige, zum Beispiel, dass ich eine Aids-Erkrankung der eigenen Frau gegenüber verschweigen würde“, berichtet Jorke. Die Diskussion mit der Mitarbeiterin des Spendedienstes lief dann darauf hinaus, dass es Andeutungen gab: Wer nicht lesen könne, der sei eben dumm. Und der solle sich ganz genau überlegen, ob er überhaupt spenden möchte.

 

„Ich aber“, so sagt Jorke, „bin körperlich gesund. Und so viel ich weiß, werden Blutspender immer dringend gesucht.“ Dass niemand auf Blutspender verzichten will, bestätigt auf Nachfrage der Redaktion auch der Direktor des Instituts für Transfusionsmedizin Neubrandenburg und Ärztlicher Geschäftsführer, Wolfgang Stangenberg.

 

Fähigkeit zu Spenden hängt von Arzt ab

 

Es handele sich hier schon um ein schwieriges Thema, gesteht er ein. Generell gilt: „Die Bewertung der Spendenfähigkeit hängt vom Arzt ab; der Arzt entscheidet letztlich, ob gespendet werden darf oder nicht. Das ist so auch per Gesetz rechtmäßig“, sagt er. Eine Befürwortung oder Ablehnung stehe auch immer mit aktuellen Richtlinien im Zusammenhang.

 

Dort sei viel im Fluss – auch im Interesse der Patientensicherheit. „Es ist durchaus üblich, dass auch Spenden von Menschen mit einer Behinderung angenommen werden, zum Beispiel von Blinden. Auch sie beantworten, natürlich mit einer Hilfe, den obligatorischen Fragespiegel. Die Fragen werden verständlich vermittelt, sodass sie auch eindeutig beantwortet werden können“, sagt der Institutsdirektor. Auf den speziellen Fall des Legasthenikers Roland Jorke wolle er noch nicht eingehen. „Das ist klärungsbedürftig“, sagt Wolfgang Stangenberg. Er wolle aber darüber informieren.

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