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Wie weiter nach Diagnose Krebs?

Über Glückwünsche zum Jubiläum der Strasburger Selbsthilfegruppe freuten sich die Leiterin Anna Andryk (r.), ihre Stellvertreterin Helga Scheider (Mitte) und Kassenwartin Helga Krienitz.
Über Glückwünsche zum Jubiläum der Strasburger Selbsthilfegruppe freuten sich die Leiterin Anna Andryk (r.), ihre Stellvertreterin Helga Scheider (Mitte) und Kassenwartin Helga Krienitz.

VonFred Lucius

Eine solche Diagnose haut jede und jeden um: Krebs.
In erster Linie müssen Betroffene damit alleine fertig werden. Halt finden
sie aber auch bei anderen Erkrankten. In Strasburg gibt es seit 20 Jahren die Selbsthilfegruppe Frauen nach Krebs.

Strasburg.Anna Andryk weiß, was nach der festgestellten Krebs-Krankheit kommt. „Da fällt man in ein sehr tiefes Loch. Über eine solche Diagnose kommt man so schnell nicht hinweg“, sagt die 72-jährige Strasburgerin. Sie selbst ist an Brustkrebs erkrankt, wurde 2001 operiert. Seitdem ist sie unter ständiger ärztlicher Kontrolle. Ihr Mann Günther ist vor sechs Jahren gestorben. An Lungenkrebs. Anna Andryk will sich aber nicht so einfach ihrem Schicksal ergeben. Über ihre Schwiegertochter, die in einer Woldegker Arztpraxis arbeitet, erfuhr sie von der Selbsthilfegruppe Frauen nach Krebs in Strasburg. Seit 2003 ist Anna Andryk dabei und seit dem Jahr 2008 die Leiterin.
Gegründet wurde die Gruppe Ende April 1993 von Karin Müller, Waltraud Wittkopf und Ilse Buse. Letztere war auch die erste Chefin. „Zurzeit haben wir 52 Mitglieder, alles Frauen“, meint Anna Andryk. Männer haben sich bislang nicht getraut, sich der Gruppe anzuschließen. Was die Frauen eint, ist der Halt, den sie hier finden. Wichtig ist vielen, sich gegenseitig beizustehen und sich immer wieder Mut zu machen. „Nur wenn es jemand wirklich will, wird sich über die Krankheit unterhalten. Viele mögen es aber nicht, dass darüber gesprochen wird. Das ist auch in Ordnung so. Bei uns wird nichts breit getreten, sagt die Gruppenleiterin.
Schmerzlich sei es natürlich, wenn jemand aus der Gruppe im Kampf gegen die Krankheit erfolglos ist und ihn verliert. Erst unlängst wurde jemand beerdigt, der erst Anfang 50 war, berichtet die Strasburgerin.
Einmal im Monat treffen sich die Frauen im Haus der Familie und Begegnung der Volkssolidarität. Ausflüge wie nach Stettin, in die Ostseetherme nach Ahlbeck oder nach Ratzburg in die dortige Reha-Klink gehören ebenso zum Programm der Frauen wie Wanderungen oder Vorträge. Bei letzteren geht es um die richtige Vorsorge, die Absicherung oder um den Schutz im Alltag, beispielsweise vor Trickbetrügern. Dazu lädt sich die Selbsthilfegruppe Fachleute ein. Am Jahresanfang wird ein Plan erstellt, was sich die Frauen in den einzelnen Monaten vornehmen. „Mit unseren Aktivitäten wollen wir zeigen, dass es ein erfülltes Leben auch nach der Krankheit Krebs geben kann“, sagt Anna Andryk.
Froh sind die Frauen, dass sie auf einige Sponsoren zählen können. Dazu zählen unter anderem die Strasburger Brunnen-Apotheke, die Stadt, die Firma Trendfood, der einstige Europa-Abgeordnete Heinz Kindermann und die Unternehmensberaterin Marina Raulin. Dass die Frauen auch feiern können, bewiesen sie bei der Party zum 20. Geburtstag der Gruppe. Mit befreundeten Frauen aus den Gruppen Ferdinandshof, Pasewalk und Woldegk wurde bei den Liedern der Strasburger Sangesbrüder kräftig mitgeschunkelt und mitgesungen.

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