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Wozu ein Ofen, der nie heiß wird?

Nach und nach setzt Jürgen Rossow die Kacheln des Ofens zusammen. Auf der Zeichnung oben ist das Haus in der Pfarrstraße 16 abgebildet.
Nach und nach setzt Jürgen Rossow die Kacheln des Ofens zusammen. Auf der Zeichnung oben ist das Haus in der Pfarrstraße 16 abgebildet.

Jürgen Rossow sieht sich die grüne Kachel ganz genau an. Guckt von allen Seiten. „Diese hier kommt nach hinten auf die Rückseite, weil sie leicht beschädigt ist. Da ist das nicht so zu sehen“, entscheidet Jürgen Rossow. Weil die Kacheln nun aber nicht mehr ihren alten Platz haben, artet das Zusammensetzen des Ofens im Anbau des Strasburger Museums in ein wahres Puzzle-Spiel aus. Knapp 80 quadratische, halbe und eckige Kacheln sind zu verbauen, ganz oben kommt dann noch der Ofenkranz hinauf. In den Kacheln befinden sich Lehm und alte Biberschwänze zum Speichern der Wärme. Stück für Stück wurde der Ofen zuvor in einem Haus in der Nähe des Musems abgetragen. Das stark baufällige Objekt in der Pfarrstraße 16, das der Stadt gehört, soll abgerissen werden. „Heizbar wird der Ofen nach dem Zusammensetzen aber nicht mehr sein“, sagt Jürgen Rossow, der als Stadtarbeiter tätig ist. Den Ofen- und Kaminbau, aber auch das Fliesen-
legen hat er sich selbst beigebracht. Etwa zehn Jahre arbeitete er einst im Strasburger Ofenbaubetrieb Busse. Mit dem Ofen-Aufbau kommt der Strasburger nur langsam vorbei. Das liegt zum Teil an den beschädigten Kacheln. „Die werden geklebt. Man muss warten, bis der Kleber trocken ist. Erst dann kann es weitergehen“, erklärt er. Früher sei beim Ofenbau Tonmehl verwendet worden, was ein schnelleres Arbeiten zulässt, weil es zügig trocknet. Kleber sei aber viel billiger als Tonmehl.
Dass das Töpferhandwerk in Strasburg eine lange Tradition hat, kann man im Museum erfahren. Hier stehen im Schmeling-Zimmer nicht nur zwei schöne alte Kachelöfen, auch einzelne Kacheln und eine Dokumentation geben Auskunft über das alte Handwerk. So ist zu erfahren, dass Strasburg von der Mitte des 18. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts ein Herstellungszentrum für Fayencen (Kunstkeramik) Stettiner Art war. Töpfereiabfall wurde in der Stadt aus dem 13. Jahrhundert entdeckt – Beleg, dass bereits im Mittelalter Töpfer in Strasburg tätig waren.

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