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Zwei Sprachen und viele Hürden

VonRainer Marten

Etwa jeder fünfte Schüler der Regionalen Schule Löcknitz hat seine Wurzeln im Nachbarland. Das ist eine Herausforderung für jeden Lehrer, der dort unterrichtet. Und für
die Schüler. Auch hier behindert der Raummangel Unterrichtsabläufe.

Löcknitz.„Und? Wie sieht es mit deinem Polnisch aus?“ Sebastian Biernacik (14), Schüler der sechsten Klasse, schmunzelt. Er versteht sofort die Anspielung und antwortet mehr spaßig als ernst: „Es geht so...“
Sebastian spricht fast akzentfrei Deutsch. Seit der zweiten Klasse besucht der Pole Löcknitzer Schulen. Seine Eltern, ehemals Stettiner, haben sich in einem Ort bei Löcknitz niedergelassen. Und vermutlich sind sie stolz auf ihren Jungen, der in diesem Alter zwei Sprachen fast perfekt beherrscht.
Die Zweisprachigkeit an der Regionalen Schule, bedingt durch den Zuzug, ist eine Herausforderung an Organisation, Personal und Schüler. Das Klassenprinzip befindet sich in dieser Schulform bereits in der Auflösung, der Fachunterricht dominiert. Die Kinder sind „Wanderschüler“, wechseln permanent ihre Fachkabinette, was auch so gewollt ist, verdeutlicht Schulleiter Hans-Jürgen Scheel. Allerdings: Als vor Jahren die Löcknitzer Schulstruktur aufgebaut und die Räume zugeteilt wurden, erhielt die Regionale Schule Räume im Gebäude der Grundschule; der Grundschule wiederum fehlen heute dort Klassenzimmer und Räume für den Musik- oder Werkunterricht sowie für das Fach Deutsch als Zweitsprache. Und an beiden Schulen steigen die Schülerzahlen, Jahr für Jahr werden es mehr. Ein Ende ist nicht abzusehen.
Die Dreizügigkeit der Grundschule, also drei Klassen in einer Klassenstufe, setzt sich als Dreizügigkeit an der Regionalen Schule fort. Das zeigt ein Blick in die aktuelle Klassenstruktur: Die fünfte und sechste Klasse ist bereits jetzt jeweils dreimal vorhanden. Es gibt zwei siebte und achte Klassen sowie jeweils eine neunte und zehnte Klasse.
Der Flachbau der Regionalen Schule aus DDR-Zeiten beherbergt elf Räume. Drüben, in der Grundschule, befinden sich der Informatik- und der Technik-Raum. Der Werkraum wiederum wird gemeinsam mit der Grundschule genutzt.
Inhaltlich hat sich die Politik auf Landesebene auf
die besondere Löcknitzer Situation – sowohl in der Grund- als auch in der regionalen Schule – eingestellt. Der Schule wurde eine zusätzliche Deutschförderung bewilligt. Deutsch wird klassenübergreifend und leistungsgemäß unterrichtet, aber auch dafür fehlt Platz,
obwohl gemeinsam mit der Gemeinde im Hortgebäude zwei Unterrichtsräume her-
gerichtet worden sind.
Früher wurde in der Schule oft gesagt: „Wir werden schon eine Lösung finden.“ Heute heißt es: „Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem es nicht mehr weiter geht.“
Kontakt zum Autor:
r.marten@nordkurier.de

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