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200 Paare unter die Haube gebracht

Standesbeamtin Ingrid Wesener besiegelte am Sonnabend die Ehe von Manuel Blank und Maja Walter – ihre 200. und auch letzte Zeremonie. Die 61-Jährige geht in den Ruhestand.
Standesbeamtin Ingrid Wesener besiegelte am Sonnabend die Ehe von Manuel Blank und Maja Walter – ihre 200. und auch letzte Zeremonie. Die 61-Jährige geht in den Ruhestand.

Ingrid Wesener hat mit Sicherheit einen der romantischsten Jobs der Welt: Sie macht glückliche Menschen an ihrem schönsten Tag im Leben noch glücklicher. Seit 20 Jahren bezeugt sie als Standesbeamtin die Liebe von Paaren aus ganz Deutschland, die sich in der Gemeinde Uckerland das Ja-Wort geben. Am Sonnabend schloss sie ihre 200. Ehe – ein Jubliläum, aber auch aus einem noch ganz anderen Grund: Diese Hochzeit in der neogotischen Kirche von Wolfshagen wird nämlich ihre letzte sein. Für die 61-Jährige beginnt die sogenannte Freizeitphase, bevor sie sich dann endgültig in den Ruhestand verabschiedet.
„Ich kann es immer noch nicht glauben“, sagt die Fahrenholzerin und drückt sich verstohlen eine Träne aus dem Auge. „Die Trauungen haben mir immer so viel Spaß gemacht und jetzt soll das alles vorbei sein?“ Auch Uckerland-Bürgermeisterin Christine Wernicke bedauert, dass ihre langjährige Kollegin nun aus dem Dienst scheidet. Sie hat es sich am Sonnabend nicht nehmen lassen, bei Ingrid Weseners letzter Zeremonie dabei zu sein. Die Nachfolgerin steht bereits in den Startlöchern: Carmen Borinski hat ihrer Mentorin in den vergangenen fünf Monaten bereits über die Schulter geschaut und sich eine Menge Tipps geben lassen, um die Zeremonie und die Reden so feierlich wie möglich zu gestalten.
Wie viele Paare sie schon getraut hat, das sei Ingrid Wesener beim letzten Amtsausscheid bewusst geworden, als die Feuerwehrleute sie nämlich in einer Pause fragten, wen sie aus der Runde noch nicht unter die Haube gebracht habe. Es waren nur wenige…
„Bei meinen Trauungen hat niemand im entscheidenden Augenblick einen Rückzieher gemacht“, lacht die quirlige Standesbeamtin. An einige kleine Pannen kann sie sich noch gut erinnern, beispielsweise als ein Hochzeitsring beim Anstecken aus der Hand rutschte, durch die Kirchenbänke kullerte und die ganze Hochzeitsgesellschaft den Boden absuchte. „Da hat man wenigstens was zu erzählen“, scherzt sie. Einmal sei sie selbst über eine Stufe gestolpert und hingefallen, was einen Aufschrei der Brautleute heraufbeschwor. „Aber es ist glücklicherweise nichts passiert und die Trauung ging wie geplant über die Bühne.“
Ingrid Wesener freut sich immer über Paare, die inzwischen in der „weiten Welt“ leben, ihre Hochzeit aber in der alten Heimat feiern wollen. So wie auch am Sonnabend Manuel Blank und Maja Walter. Die beiden waren in der Schule ein Paar, verloren sich dann jedoch aus den Augen und liefen sich in der Großstadt Hamburg wieder über den Weg, wohin es beide inzwischen der Arbeit wegen verschlagen hatte. Das seien die Geschichten, die das Leben schreibt und weshalb Ingrid Wesener ihrem Job so nachtrauere.

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