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Alte Schmuckstücke erzählen Geschichten

Annett (Zweite von links) und Bernd Lommatzsch (rechts) gehören zu den Händlern, die in jedem Jahr aus dem Erzgebirge nach Prenzlau zum Antikmarkt kommen und Schmuck und Porzellan aus Omas Zeiten anbieten.
Annett (Zweite von links) und Bernd Lommatzsch (rechts) gehören zu den Händlern, die in jedem Jahr aus dem Erzgebirge nach Prenzlau zum Antikmarkt kommen und Schmuck und Porzellan aus Omas Zeiten anbieten.

Konzentriert blättert sich Herbert Gießmann durch die Mappen mit den Tausenden Münzen. Allesamt akribisch sortiert nach aufgeprägtem Wert und Daten. Plötzlich strahlen seine Augen und er tippt mit dem Finger auf einen Pfennig von 1949. „Da ist er ja“, ruft er erfreut. „15 Euro soll er kosten“, verkündet der Prenzlauermit einem breiten Grinsen im Gesicht. „Das passt“, meint der Senior und holt dennoch nicht sein Portemonnaie aus der Jackentasche, um etwa mit dem ergatterten Pfennig eine Lücke in seinem Album zu füllen. Nein, er nennt ein solches Exemplar bereits sein Eigen und wollte auf der Antik- und Sammlermesse in der Prenzlauer Uckerseehalle herausbekommen, wie viel das alte Geldstück wert ist. „Tja, vor einiger Zeit brachte er wohl noch 35 Euro“, sagt er und zeigt auf den durchgestrichenen Preis unter dem Pfennig. „Meine Münzen stammen aus der Hinterlassenschaft meines Vaters“, erzählt Herbert Gießmann. Eins der wertvollen Stücke daraus, einen etwa 120 Jahre alten US-Dollar, hat er bereits an einen Sammler verkauft. 80 Euro zahlte dieser dafür.
Am Stand gegenüber begutachten Iris Möhring und ihre Tochter Janett die ausgestellten Schmuckstücke in den Glaskästen. „Ich bin auf der Suche nach einem silbernen Anhänger mit einem grünen Stein“, verrät die Jüngere der beiden und entdeckt genau so einen unter den Ausstellungsstücken. Annett Lommatzsch – ihr und ihrem Mann Bernd gehört der Stand – holt das gute Stück heraus und legt es der potenziellen Kundin an. „Wunderschön“, befindet Janett Möhring beim Blick in den Spiegel. Ihre Mutter ist ebenfalls hin und weg von der filigranen Arbeit. „Der Anhänger ist aus 835er Silber und stammt aus den 1920er Jahren. Der Stein ist wunderschön geschliffen“, preist die Sächsin das gute Stück an und weckt sogleich Begehrlichkeiten bei der jungen Frau. „Die alten Schmuckstücke erzählen Geschichten. Auch wenn man diese natürlich nicht kennt, so kann man sie erahnen und sie sich nach den Erzählungen der Großeltern vorstellen“, verrät die Uckermärkerin, warum sie auf derartigen Schmuck steht. Sie und Annett Lommatzsch werden sich schnell einig, der Kauf ist besiegelt.
Annett und Bernd Lommatzsch aus dem Erzgebirge gehören zu den Händlern, die von Anbeginn an zur Antik- und Sammlermesse nach Prenzlau kommen. „Wir fahren immer zusammen mit Veranstalter Frank Nobis.“ Vor allem Porzellan und Schmuck bieten die Sachsen an. Auch wenn sie merken, dass das Geld bei den Leuten längst nicht mehr so locker sitzt, bereiten Antikmärkte den beiden Riesenspaß. „Wir machen das nebenberuflich“, sagen sie. „Leben könnten wir davon nicht.“

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