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von Ines Markgraf
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Gestern Morgen um neun Uhr: Ein paar vereinzelte Kunden schleichen durch die Regalreihen der Schlecker-Filiale in Prenzlau auf der Suche nach einem Schnäppchen. „Bei 50 Prozent muss man einfach zugreifen“, sagt Jeanette Franzke aus Boitzenburg.
Bereits seit Freitag findet der Ausverkauf statt. „Am ersten Tag standen die Kunden schon um halb acht vor der Ladentür“, erinnert sich eine Verkäuferin. Am 29. Juni wird die Filiale schließen, vielleicht auch schon früher, je nachdem wie der Abverkauf läuft. Die Verkäuferinnen stellen in der Zwischenzeit die Waren zusammen und preisen sie neu aus.
Die Filialen in Templin und in Boitzenburg sind bereits geschlossen. Die Scheiben in Templin sind verhangen, die Mitarbeiterinnen längst entlassen.
Die vier Prenzlauer Verkäuferinnen sollen zum 30. Juni gekündigt werden. Noch wissen sie nicht, wie es weitergehen wird. „Wir erfahren alles nur aus den Medien“, erzählt die Verkaufsstellenverwalterin, die seit 1991 beim Unternehmen beschäftigt ist. Aus den Medien hat sie auch erfahren, dass sie zur Altenpflegerin oder Erzieherin umgeschult werden soll. „Ich bin über 50 Jahre, auf dem Rücken fertig und brauche selbst bald einen Pfleger“, sagt sie und zeigt deutlich ihre Enttäuschung über die Firmenphilosophie.
Die Kündigungszeiten, so habe das Unternehmen versprochen, werden eingehalten. „Wir sollen vom Arbeitsamt bevorzugt Stellen vermittelt bekommen“, habe die Verkäuferin gehört. Eine Ansprechpartnerin wurde ihr genannt, jetzt wartet sie auf ihr Kündigungsschreiben. Sie selbst hatte einen 34,5 Stunden-Vertrag, ihre Kolleginnen arbeiteten 17,5 beziehungsweise 19Stunden. Viel Hoffnung hat sie nicht, auch wenn sie immer wieder liest, dass Schlecker-Mitarbeiter gern von anderen Verkaufseinrichtungen übernommen werden, weil sie so „freundlich und fleißig“ seien.
Gaby Wehrens, stellvertretende Leiterin der Agentur für Arbeit in Eberswalde, hofft natürlich, möglichst viele Verkäuferinnen wieder in Arbeit zu vermitteln. Aktuell seien uckermarkweit rund 30Stellen im Einzelhandel offen. In Gesprächen soll geprüft werden, ob diese Stellen infrage kommen. „Mobilität ist oft ein großes Problem“, sagte Wehrens. Auch die Möglichkeit einer Umschulung wird dabei angesprochen. „Die Voraussetzungen und Interessen müssen vorhanden sein. Zudem gibt es ein Testverfahren.“ In der ersten Kündigungswelle verloren 70 Mitarbeiterinnen im gesamten Agenturbezirk ihren Arbeitsplatz. Davon sind derzeit 17 nicht mehr in der Kartei.
Am Dienstag kämpften die Schlecker-Damen erst einmal entnervt mit der Technik. „Nichts funktioniert und keiner sagt uns, voran es liegt. Weder der EC-Kartenleser noch die Telefonkarten-Aufladestation“, so die Verkaufstellenverwalterin und steckt ihr Telefon nach mehreren „Hilferufen“ resignierend in die Tasche. In den nächsten Tagen erwartet sie auch einige verärgerte Kunden, die ihre Fotos abholen wollen. Seit 1.Juni werden bei Schlecker keine Fotoarbeiten angenommen, wir haben das erst am 4. Juni erfahren“, sagt sie.
Jürgen Kunicke hatte noch Glück. Seine Frau gab die Fotos vor dem Stichtag ab, und so konnte er gestern die entwickelten Fotos abholen. „Schade, es ist wirklich traurig für die Mitarbeiter“, sagte der Templiner. „Warum gab es keinen Rettungsschirm für Schlecker? Für die Banken und für Opel war es doch auch möglich“, sinnierte er.
Die Filiale hat ihre Öffnungszeiten bereits an die leeren Regale angepasst und ist montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Sonnabends ist geschlossen.
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