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Ein Sprungbrett aus der Arbeitslosigkeit?

Erwin Wegner neben seinem Bus, der, genau wie die Lebensschule Uckermark, für ihn eine zweite Heimat geworden ist.  Foto: Leonie Mielke
Erwin Wegner neben seinem Bus, der, genau wie die Lebensschule Uckermark, für ihn eine zweite Heimat geworden ist. Foto: Leonie Mielke

Schulschluss. Die Kinder stürmen aus dem Gebäude zum Bus. Es entsteht Gedrängel vor der Bustür – so viele Mädchen und Jungen passen nicht auf einmal hindurch. Aber dann sehen sie Erwin Wegner. Das Geschubse stoppt. Die Schüler winken. „Hallo, lieber Herr Wegner“, rufen sie lachend.

Erwin Wegner ist 56 Jahre alt und leistet Bundesfreiwilligendienst an der Lebensschule Uckermark in Prenzlau. Er sieht den Bundesfreiwilligendienst an der Schule als „das Beste, was mir passieren konnte“ und als seine große Chance, auf dem Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen.

2007 sei er arbeitslos geworden, erzählt er, und danach folgte eine Achterbahnfahrt durch verschiedene Berufe. „Ich bin immer wieder mal irgendwo reingekommen und habe gedacht, jetzt geht es aufwärts – aber Pustekuchen.“
Nach zwei, drei Monaten wurden seine Arbeitsstellen immer wieder wegrationalisiert oder er bekam sein Gehalt nicht ausgezahlt.
Irgendetwas war immer. Anfang Februar sah er einen Bericht im Fernsehen über den Bundesfreiwilligendienst und dachte sich: „Da komm ich unter Leute. Das ist definitiv besser als zu Hause zu sitzen und zu verblöden.“ Er bewarb sich bei verschiedenen Institutionen und kam schließlich zur Lebensschule Uckermark.

Dort übernimmt er als Bundesfreiwilligendienstler den Fahrdienst, betreut die Kinder und arbeitet in der Werkstatt. Fünf Tage die Woche acht Stunden. Am Anfang sei es natürlich eine heftige Umstellung gewesen, berichtet Erwin Wegner, aber die Arbeit mit den Schülern mache ihn sehr glücklich. „Die Kinder sind immer wieder eine Herausforderung und eine große Verantwortung. Aber genau das genieße ich. Hier werde ich gebraucht.“

Ursprünglich sollte sein Bundesfreiwilligendienst nur neun Monate lang gehen, aber Erwin Wegner hat inzwischen um acht weitere Monate verlängert.
Nicht nur, weil er sich gebraucht fühlt und mit seinen Kollegen so gut versteht, sondern auch, weil er gefördert wird.

In den vergangenen Monaten habe er einen Sanitäter-Lehrgang und einen Fahrsicherheitstest mitgemacht. Wenn alles gut läuft, wird er im Herbst noch seinen Rettungsschwimmer erneuern, den er bereits in den 70-er Jahren einmal gemacht hatte.
Vor allem sieht Erwin Wegner den Bundesfreiwilligendienst aber als Sprungbrett in ein festes Arbeitsverhältnis. Er wünscht sich sehr, dass er nach Ablauf des Bundesfreiwilligendienstes bei der Lebensschule Uckermark übernommen werde.
Wie er es formuliert: „Ich habe das Ziel, wieder 100-prozentig in ein Arbeitsverhältnis reinzukommen.“
 

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